Landratsamt Rastatt genehmigt in Ottersweier und Durmersheim die ersten Windkraftanlagen im Landkreis Rastatt

Im Landkreis Rastatt sind die Weichen für den Bau der ersten Windkraftanlagen und damit für einen wichtigen Beitrag zur Energiewende endgültig gestellt. Das zuständige Amt für Umwelt und Gewerbeaufsicht im Landratsamt Rastatt hat die beiden immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren für die im Vorjahr beantragten Windenergieanlagen in Ottersweier und Durmersheim schnell bearbeitet und kürzlich abgeschlossen. Die Bescheide wurden am 19. Januar an die Vorhabenträger im Beisein der Bürgermeister der beiden Gemeinden, Jürgen Pfetzer (Ottersweier) und Klaus Eckert (Durmersheim), übergeben.

Übergabe der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung an den Vorhabenträger in Ottersweier, die Windstrom Schwarzwaldhochstraße GmbH & Co. KG, im Beisein von Bürgermeister Jürgen Pfetzer. Foto: Marion Kohler
Übergabe der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung an den Vorhabenträger in Ottersweier, die Windstrom Schwarzwaldhochstraße GmbH & Co. KG, im Beisein von Bürgermeister Jürgen Pfetzer. Foto: Marion Kohler

„Diese beiden Projekte sind ein Meilenstein in unseren Bemühungen für den Ausbau der Windenergie in unserem Landkreis“, betonte Sébastien Oser, der Erste Landesbeamte im Landratsamt und zuständige Dezernent für Bauen, Umwelt und Öffentliche Ordnung beim Übergabetermin. Er verwies auf die besondere Bedeutung der Windkraft beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei dieser im überragenden öffentlichen Interesse und diene der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit. Der Ausbau diene gerade dem Schutz des Klimas und zudem dem Gemeinwohlziel der Sicherung der Energieversorgung. Umso mehr freue es ihn, dass nach der intensiven Begleitung durch die Gemeinden und der gründlichen Vorbereitung der Antragsunterlagen das eigentliche Genehmigungsverfahren rasch bewältigt werden konnte.

Im immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren werden die Auswirkungen des Vorhabens auf die Umweltschutzgüter geprüft. Es muss beurteilt werden, ob es durch die Windenergieanlage zu erheblichen nachteiligen Auswirkungen auf den Menschen, Tiere, Pflanzen, Wasser und Boden sowie das Klima und Kultur- und Sachgüter kommen kann. Für diese Prüfung benötigen die Genehmigungsbehörde und die Fachbehörden, die am Genehmigungsverfahren beteiligt werden, umfangreiche Unterlagen und Fachgutachten. Kommt die verfahrensführende Immissionsschutzbehörde zu dem Ergebnis, dass das Windkraftvorhaben am beantragten Standort zulässig ist, muss die Genehmigung erteilt werden.

Im Zuge des nun ergangenen Bescheids kann der Vorhabenträger in Ottersweier, die Windstrom Schwarzwaldhochstraße GmbH & Co. KG, zwei Windenergieanlagen des Typs E-175 EP5 mit einer Nennleistung von jeweils sechs Megawatt im Hatzenweierer Wald errichten und betreiben. Mit einer Nabenhöhe von 162 Metern und einem Rotordurchmesser von 175 Metern beträgt die Gesamthöhe einer Anlage rund 250 Meter. Die Genehmigung wurde befristet für eine Betriebsdauer von 30 Jahren erteilt. Der Vorhabenträger mit Windkraftpionier Matthias Griebl geht von einem jährlichen Stromertrag von jeweils über 19 Millionen kWh pro Anlage aus. Nach den bisherigen Planungen sollen die beiden Windräder 2027 in Betrieb gehen.

Übergabe der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung an den Vorhabenträger Alterric in Durmersheim, im Beisein von Bürgermeister Klaus Eckert. Foto: Janina Fortenbacher
Übergabe der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung an den Vorhabenträger Alterric in Durmersheim, im Beisein von Bürgermeister Klaus Eckert. Foto: Janina Fortenbacher

Bürgermeister Jürgen Pfetzer: „Die Genehmigung in Händen zu halten, macht mich stolz. Ein enorm wichtiger Schritt! Dieses Vorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem der Abstimmungsprozess zwischen Antragsteller, Landratsamt und Gemeinde sehr intensiv und konstruktiv geführt wurde. Für mich ist es ein Leuchtturmprojekt für die Energiewende auf lokaler Ebene.“ Die Gemeinde Ottersweier setzt schon seit Jahren Klimaschutz- und Energiewendeprojekte konsequent um. Die beiden Windkraftanlagen sind neben der Freiflächen-PV und dem Nahwärmeprojekt Unzhurst laut Pfetzer ein weiterer wichtiger Baustein dieses Konzepts.

Auch Bürgermeister Klaus Eckert und Projektentwickler Raphael Bezold vom Grünstromerzeuger und Vorhabenträger Alterric Deutschland GmbH brachten ihre Freude über die immissionsschutzrechtliche Genehmigung der auf Gemarkung Durmersheim geplanten sieben Windenergieanlagen zum Ausdruck. Die Planung entspricht den Festlegungen des Regionalplans. Die Anlagenstandorte befinden sich in einem Windvorranggebiet auf kommunalen Waldflächen im Hardtwald.

„Nach der schwimmenden Solaranlage auf dem Stürmlinger See und dem Ausbau der bestehenden Nahwärme ist die Windenergie der dritte Baustein der Durmersheimer Energiewende“, betont Bürgermeister Eckert. Für ihn ist es auch ein wichtiges wirtschaftspolitisches Projekt. Als rohstoffarmes Land werde sich die Wirtschaft zukünftig noch mehr als heute in den Regionen ansiedeln, wo ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien vorhanden ist. Bei den Windkraftanlagen handelt sich um Anlagen des Typs Nordex N175/6x TCS 179 mit einer Nennleistung von 6,8 Megawatt, einer Nabenhöhe von 179 Metern und einem Rotordurchmesser von 175 Metern. Die letztlich eingereichte und genehmigte Planung berücksichtigt Immissionsschutzabstände von mehr als 1.250 Metern zur Wohnbebauung. Auch für diese Anlage wurde die Genehmigung befristet für eine Betriebsdauer von 30 Jahren erteilt.

Eckert stellte heraus, dass alle Beschlüsse des Gemeinderats zur Windenergie fraktionsübergreifend einstimmig gefasst wurden. Dies zeige, dass der Gemeinderat geschlossen hinter diesem Energieprojekt steht.

Nach dem erteilten Bescheid können die vorbereitenden Arbeiten für die Anlagen voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres beginnen. Die Errichtung und Inbetriebnahme könnten dann, so Projektentwickler Bezold, vom zweiten Quartal 2027 bis zum dritten Quartal 2028 folgen.