Waldbaden – ein Spaziergang im Grünen tut Körper und Seele gut
Der Begriff stammt ursprünglich aus Japan. Dort entwickelte man bereits in den 1980er-Jahren das Konzept des „Shinrin Yoku“, was wörtlich übersetzt so viel bedeutet wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“. Gemeint ist dabei keineswegs Sport oder eine möglichst lange Wanderung. Vielmehr geht es darum, bewusst Zeit im Wald zu verbringen und die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen.
Beim Waldbaden gibt es kein festes Ziel, keine vorgeschriebene Strecke und keine bestimmte Geschwindigkeit. Im Mittelpunkt stehen das langsame Gehen, das bewusste Atmen und das Verweilen. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt plötzlich Details, die im Alltag oft übersehen werden: die unterschiedlichen Grüntöne der Blätter, die raue Rinde einer alten Eiche, das federweiche Moos oder den würzigen Duft eines Fichtenwaldes nach einem Sommerregen. Manchmal genügt es sogar, einfach auf einem Baumstamm Platz zu nehmen und den Geräuschen des Waldes zu lauschen. Viele Menschen berichten bereits nach kurzer Zeit von einem Gefühl der inneren Ruhe und Gelassenheit.
Dass der Wald guttut, ist längst nicht nur ein persönliches Empfinden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben sich mit den Auswirkungen von Aufenthalten im Wald beschäftigt. Dabei zeigte sich unter anderem, dass bereits 20 bis 30 Minuten im Grünen das Stressniveau senken können. Gleichzeitig wurden positive Effekte auf Blutdruck, Herz-Kreislauf-System, Immunsystem und allgemeines Wohlbefinden festgestellt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die natürliche Geräuschkulisse, die Bewegung an der frischen Luft, das angenehme Mikroklima des Waldes sowie die sogenannten Terpene. Das sind natürliche Duftstoffe, die von Bäumen abgegeben werden. Sie verleihen dem Wald seinen typischen Geruch und können sich positiv auf unser Immunsystem auszuwirken.
Für ein Waldbad braucht es keine Ausrüstung und auch keinen Urlaub. Schon ein kurzer Aufenthalt im nächstgelegenen Wald kann helfen, den Kopf freizubekommen. „Gerade in unserer Region mit ihren ausgedehnten Wäldern bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, bewusst in die Natur einzutauchen. Beispielsweise bei einem Spaziergang im Rebland, entlang der Murg oder in den Wäldern im Landkreis Rastatt. Wer das Smartphone einmal in der Tasche lässt und stattdessen bewusst schaut, hört, riecht und fühlt, erlebt den Wald oft ganz neu“, betont die Forstmitarbeiterin. Oft reichen schon wenige bewusste Minuten zwischen Bäumen, Vogelstimmen und frischer Waldluft, um neue Kraft zu schöpfen.
So wohltuend der Wald für uns Menschen ist, so wichtig ist er zugleich als Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Deshalb gehört zum Waldbaden auch ein achtsamer Umgang mit der Natur, indem man auf den Wegen bleibt und Wildtiere nicht stört.
