Sonderprojekt Weinbau Mittelbaden: Maßnahmen gegen verwilderte Rebflächen

Das Sonderprojekt Weinbau Mittelbaden arbeitet an konkreten Lösungen für die Zukunft der Weinbaulandschaft in Mittelbaden. Seit November 2025 entwickeln das Büro neuland+ gemeinsam mit den Städten und Gemeinden Baden-Baden, Bühl, Bühlertal, Sinzheim und Ottersweier sowie dem Landratsamt Rastatt Maßnahmen gegen die zunehmende Zahl verwilderter Rebflächen und erarbeiten gleichzeitig ein langfristiges Nutzungskonzept für den Weinbau. Die Ergebnisse des Projekts werden am 22. Oktober 2026 in der Reblandhalle in Bühl-Altschweier vorgestellt.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen sogenannte Drieschen – aufgegebene Rebflächen, die entweder nicht ordnungsgemäß gerodet wurden oder seit mindestens zwei Jahren nicht mehr nach guter fachlicher Praxis bewirtschaftet werden. Sie gelten als sichtbares Zeichen des Strukturwandels im Weinbau und sind eine Folge des wirtschaftlichen Drucks auf die Branche. Für die Winzerinnen und Winzer haben diese Flächen jedoch nicht nur landschaftliche Auswirkungen. Von ihnen geht ein erheblicher Schädlingsdruck aus, der den Pflanzenschutz in benachbarten Weinbergen erschwert und zusätzliche Kosten verursacht. In den vergangenen Monaten wurden die betroffenen Flächen im Projektgebiet systematisch erfasst. Die beteiligten Kommunen recherchieren derzeit die Eigentümerinnen und Eigentümer der betroffenen Grundstücke. Auf Grundlage der Vorgaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe können diese zunächst angehört und anschließend zur Wiederaufnahme der Bewirtschaftung oder zur Rodung verpflichtet werden. Werden entsprechende Anordnungen nicht umgesetzt, sind Zwangsgelder oder als letztes Mittel Ersatzvornahmen durch die Kommunen möglich. Derzeit stimmen die beteiligten Kommunen das weitere Vorgehen ab.

Langfristige Neuordnung der Weinbaulandschaft

Die Beseitigung der Drieschen allein löst die strukturellen Herausforderungen des Weinbaus jedoch nicht. Deshalb entwickelt das Sonderprojekt parallel ein Zonierungskonzept, das die zukünftige Nutzung ehemaliger Rebflächen neu ordnen soll. Ziel ist es, den Weinbau langfristig auf geeignete Flächen zu konzentrieren, weitere Drieschen möglichst zu vermeiden und größere zusammenhängende Bewirtschaftungseinheiten zu schaffen. Gleichzeitig sollen die Kulturlandschaft erhalten und Nutzungskonflikte reduziert werden. Vorgesehen ist unter anderem die Ausweisung einer Zone Weinbau, in der künftig ausschließlich Reben und gepflegte Brachen liegen sollen. Ergänzend ist eine Pufferzone mit Brachen, Streuobstflächen und Beweidung geplant, die bei Bedarf wieder für den Weinbau aktiviert werden kann. Weitere Flächen könnten künftig für ökologische Aufwertungen, Aufforstungen oder andere Nutzungen vorgesehen werden.

Flächenbörse und Nutzungskatalog bereits verfügbar

Ob das Nutzungskonzept langfristig erfolgreich umgesetzt werden kann, hängt wesentlich von der Bereitschaft der Eigentümerinnen und Eigentümer sowie der Bewirtschaftenden ab. Bereits während der Erarbeitung des Zonierungskonzepts können Interessierte Flächen über die eingerichtete Flächenbörse anbieten, nach Bewirtschaftenden suchen oder sich mithilfe eines Nutzungskatalogs über alternative Nutzungsmöglichkeiten informieren.

https://www.lgl-bw.de/unsere-themen/Flurneuordnung/Projekt-Weinbau-Mittelbaden/index.html

Regionalmanagement als nächster Schritt

Nach Abschluss des Projekts soll geprüft werden, wie die Umsetzung des Zonierungskonzepts dauerhaft begleitet werden kann. Das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg hat hierfür die Förderung eines Regionalmanagements in Aussicht gestellt. Über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren könnte eine Personalstelle mit 75 Prozent Landesmitteln gefördert werden. Den verbleibenden Eigenanteil würden die beteiligten Kommunen tragen, die derzeit über eine mögliche Finanzierung beraten.