Ruhestein-Bergrennen 1946 – Auftaktsieg für den Bühlertäler Motorradrennfahrer Ewald Kohler

Der Bühlertäler Motorradrennfahrer Ewald Kohler nahm vor 80 Jahren beim Ruhestein-Bergrennen teil und gewann in seiner Klasse. Weit über 30.000 Zuschauer waren gekommen und mehr als 100 Rennfahrer hatten sich am 21. Juli 1946 zur ersten deutschen Motorsportveranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg in Baiersbronn eingefunden. Aufgerufen hierzu hatte die Süddeutsche Motorrennfahrer-Vereinigung (SMRV), die nur wenige Tage zuvor gegründet wurde. Nicht einmal 15 Monate waren seit Kriegsende vergangen, und doch gab es die vielen Motorsportbegeisterten, die ein einzigartiges Bergrennen auf die Beine stellten, das mit 8.000 Meter Streckenlänge und einer zu bewältigenden Höhendifferenz von gut 500 Metern sehr anspruchsvoll war. Kreisarchivar Martin Walter hat die Erfolge des Motorradrennfahrers nachgezeichnet. 

Ohne die Unterstützung der französischen Militärregierung in Baden-Baden hätte das Bergrennen nicht veranstaltet werden können. Die Presse berichtete vorab sehr angetan über die Veranstaltung, „bei der zum ersten Mal seit Kriegsende auch wieder deutsche Sport- und Rennwagen an den Start gehen dürfen.“ Die Atmosphäre muss eindrucksvoll gewesen sein. Schon lange vor Beginn strömten Tausende von Menschen an die Rennstrecke. Der Start fand in Höhe des Gasthauses Adler in Baiersbronn-Obertal statt. Dort war neben dem Starter- und Zeitnehmerhäuschen eine hölzerne Zuschauertribüne aufgebaut worden. Die ersten Starts wurden durch dichten Nebel erschwert, allerdings ließ der Regen mehr und mehr nach.

Im Mittelpunkt stand aber auch ein talentierter Rennfahrer aus der Region. In der 350er Klasse für Ausweisfahrer startete der 1919 in Bühlertal geborene Ewald Kohler sein erstes Rennen. Das war ihm nicht anzumerken, denn mit pfeilschnellen 5 Minuten 33,4 Sekunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 86,4 km/h sorgte er für einen kräftigen Paukenschlag gegen deutlich stärker eingeschätzte Konkurrenz. Ewald Kohler gewann seine Klasse souverän mit seiner intensiv für das Rennen vorbereiten NSU. Dabei waren die Voraussetzungen für seinen Start nicht einfach gewesen. Obligatorisch für eine Starterlaubnis war die Mitgliedschaft in der SMRV, die er weniger als drei Wochen vor dem Rennen erhielt. Zudem musste er auf Verlangen der französischen Militärregierung einen politischen Fragebogen ausfüllen. Noch am 5. Juli befand sich seine Rennmaschine zur Reparatur bei den NSU-Werken in Neckarsulm. Und trotzdem ging alles gut aus.

Wenige Wochen später startete Kohler beim ersten Karlsruher Dreiecksrennen, dem er in den Folgejahren eng verbunden blieb. 1950 erzielte er dort auf einer Triumph in der stark besetzten Ausweisfahrerklasse bis 250 ccm den zweiten Platz. 1947 nahm er mit seiner NSU beim Eggbergrennen in Bad Säckingen teil, einem Lauf zur deutschen Bergmeisterschaft. Dort belegte er einen respektablen vierten Platz. 1950 fand mit dem „Bergrennen zum Schwarzwaldring“ von Bühlertal bis zum Kurhaus Sand eine Motorsportveranstaltung statt, die die ADAC Ortsgruppe Bühl-Achern organisierte und bei der Kohler ebenfalls an den Start ging. Gemeldet war er mit einer in Nürnberg gebauten Hecker in der Klasse bis 125 ccm. Dieses kleine Motorrad wurde von Walter Sauer in Ottersweier extra für das Rennen vorbereitet. Bei der im selben Jahr durchgeführten Zuverlässigkeitsfahrt erzielte er mit dieser Maschine die schnellste Zeit des Tages. Beim Motorradrennen in Malsch gewann Kohler in dem Jahr ebenfalls souverän die Klasse bis 125 ccm.

Danach scheint es mit dem Motorradrennsport ruhiger geworden zu sein. Der erfolgreiche Motorradrennfahrer und Kfz-Meister Ewald Kohler starb allzu früh im Oktober 1960.