Kirschlorbeer setzt heimischen Wäldern zu
Unterschätzte Gefahr aus dem Garten
Das immergrüne Gewächs ist in vielen Gärten gern gesehen. Es wächst schnell, ist günstig im Erwerb und bietet einen zuverlässigen Sichtschutz. Doch diese positiv wirkenden Eigenschaften haben einen hohen Preis, denn in der freien Natur ist der in allen Teilen giftige Kirschlorbeer alles andere als harmlos: Als äußerst konkurrenzstarkes Gewächs verdrängt er heimische Strauch- und Baumarten – unter sein dichtes Blätterdach dringt kaum Licht. Die Folge: Dort, wo der Kirschlorbeer wuchert, wachsen im Wald kaum junge Bäume nach und somit sinkt die Artenvielfalt, was gerade jetzt in Hinsicht auf vielfältige, klimastabile Wälder besonders problematisch ist. Auch die ökologische Struktur der Wälder wird nachhaltig verändert. „Wir sehen deutlich, wie er sich von den Wohngebieten aus immer weiter in den Wald ausbreitet“, erklärt Jochen Müller, Förster des Stadtwaldes Gaggenau.
Die Verbreitung – ein heimlicher Vormarsch
Die Ausbreitung des Kirschlorbeers erfolgt auf verschiedenen Wegen. Vögel fressen die Früchte der Pflanze und tragen die Samen oft über weite Distanzen in die Wälder. Auch durch unsachgemäß entsorgten Grünschnitt gelangt die Pflanze in die freie Landschaft. Selbst kleinste Pflanzen- oder Wurzelreste können anwachsen und zu neuen Beständen heranwachsen. Diese Art der unkontrollierten Verbreitung stellt eine der größten Herausforderungen im Umgang mit der Pflanze dar. „Bereits die Kermesbeere hat sich aus den Vorgärten in die Umwelt unkontrolliert ausgebreitet und ist mittlerweile nicht mehr aufzuhalten, dies gilt es bei beim Kirschlorbeer zu verhindern“, informiert Martin Melcher, Förster der Stadt Gaggenau.
Gaggenau ergreift Gegenmaßnahmen
Im Stadtwald Gaggenau versuchen die beiden Förster, Martin Melcher und Jochen Müller, der Ausbreitung des Kirschlorbeers aktiv entgegenzuwirken. Die Entfernung der Pflanze wurde beauftragt: Mithilfe eines Baggers werden die Pflanzen mitsamt ihren kräftigen Wurzeln möglichst vollständig herausgezogen. In den kommenden Jahren werden die betroffenen Flächen weiter beobachtet, um ein erneutes Aufkommen frühzeitig zu erkennen.
Ziel des Projekts ist es, die Ausbreitung der aktuell noch kleinräumig vorkommenden Neophyten im Stadtwald Gaggenau einzudämmen, bevor diese eine kritische Ausbreitungsschwelle erreichen. Vorbeugend werden so zukünftige, deutlich aufwändigere Bekämpfungsmaßnahmen vermieden. Dieses Projekt wurde unter dem Dach der Waldstrategie Baden-Württemberg 2050 konzipiert und umgesetzt. Die Förderung wird aus Landesmitteln finanziert, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat.
Auch der Obst- und Gartenbauverein Freiolsheim hat im vergangenen Frühjahr bereits tatkräftig mitangepackt und Kirschlorbeer am Waldrand händisch entfernt. Doch die Entfernung der Pflanze ist schwierig. Im Boden verbleibende Wurzelreste können immer wieder neu austreiben.
Ein verantwortungsvoller Umgang ist entscheidend
Um der weiteren Ausbreitung entgegenzuwirken, ist ein sachgerechter Umgang mit Gartenpflanzen unabdingbar. Es ist wichtig, dass Grünschnitt aus dem Garten nicht einfach irgendwo in der Natur entsorgt wird. „Für den Grünschnitt sollte ausschließlich der dafür vorgesehene Entsorgungsweg über die Grünabfall-Sammelplätze genutzt werden. Nur so kann verhindert werden, dass sich die Gartenpflanzen, wie der Kirschlorbeer, unkontrolliert in der Natur verbreiten“, so Melissa Männle vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreis Rastatt. In der Gartengestaltung sollte verstärkt auf heimische, standortgerechte Gehölze gesetzt werden. Diese bieten nicht nur einen wertvollen Lebensraum für heimische Insekten, sondern stärken auch die natürliche Flora.
Kirschlorbeer in Europa: Eine ungelöste Problematik
In der Schweiz ist der Kirschlorbeer mittlerweile als invasive Art eingestuft, da dieser dort ebenfalls zunehmend in den Naturhaushalt eingreift und heimische Arten verdrängt. Die Pflanze darf dort nicht mehr verkauft und neu angepflanzt werden. In der EU ist dies bislang noch nicht der Fall. Aktuell läuft eine öffentliche Petition zur Kennzeichnungs- und Informationspflicht für potenziell invasive Pflanzen im Gartenhandel, damit genau diese Gefahr für den Endverbraucher direkt sichtbar ist vor dem Kauf.
