Interesse an der Kreisgeschichte ungebrochen – Kreisarchiv erreichen täglich Anfragen

Archive haben für die Gesellschaft eine unverzichtbare Funktion. Sie sind nicht nur wie im Falle des Kreisarchivs das „Gedächtnis des Landkreises“, sondern sie bewahren auch historisches Wissen, das weit in die Vergangenheit hineinreicht. Das „Bewahren“ ist aber nur ein Teil der archivischen Arbeit. „Aber auch diese Aufgabe birgt die eine oder andere Herausforderung“, so Kreisarchivar Martin Walter.

Es geht immer darum, Alterungsprozesse an den Datenträgern zu stoppen oder zu verlangsamen. Das erreicht ein Archiv durch konstante klimatische Verhältnisse in den Magazinen, in denen die Archivalien gelagert werden. Ideal sind dabei Temperaturen von 18 Grad Celsius ohne Schwankungen und eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 plus/minus 10 Prozent. Dabei sind die Voraussetzungen für die Haltbarkeit gerade bei den aus Papier bestehenden Archivalien sehr unterschiedlich. Hadernpapier, das vor etwa 1830 entstand, ist deutlich unempfindlicher gegen Alterungsprozesse als das holzsäurehaltige industriell gefertigte Papier aus Zellulose, das bis heute Verwendung findet. Vor allem Zeitungspapiere sind grundsätzlich nicht für die Ewigkeit gemacht. Dem gegenüber steht allerdings der große Dokumentationswert, den Zeitungen haben. Dabei spielt es eine nicht unerhebliche Rolle, ob diese Unterlagen von Beginn an in einem Archiv gelagert waren, oder doch vielleicht über Jahre in einem ungedämmten Speicherrraum, der im Sommer viel zu heiß wird.

Das Bereitstellen von Informationen zählt zu den wichtigen Kernaufgaben eines Archivs. „Wenn man so will, dann sind Archive unermesslich große historische Wissensdatenbanken, in denen man nach ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten und Fragestellungen Antworten finden kann“, erklärt Martin Walter. Das Kreisarchiv verwahrt in seinen Magazinen rund 250.000 Archivalien. Das sind Fotografien und Postkarten (bis 1870), Grafiken (bis um 1550), historische Landkarten (bis ins 15. Jahrhundert) oder Bücher zur Landkreisgeschichte. Vor allem aber sind es Akten und Bände, die Aufschluss geben.

Einen großen Teil der Anfragen machen Familienforscher aus, die aus der ganzen Welt kommen. So zuletzt aus den Vereinigten Staaten, der Ukraine oder Australien. Diese Erkundigungen lassen sich zumeist über die Geburts-, Heirats- oder Sterbeeinträge in den Standesbüchern beantworten, die im Kreisarchiv seit 1870 vorliegen. Heimatforscher und Historiker suchen Erkenntnisse auf bestimmte Sachfragen. Im Mittelpunkt stehen dabei etwa die Rastatter Kriegsverbrecherprozesse, die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, der Bau der Schwarzenbach-Talsperre oder die Gründung der Badischen Weinstraße. Oftmals beantwortet das Kreisarchiv, das sich im Untergeschoss der Landkreisverwaltung Am Schlossplatz 5 in Rastatt befindet, Fragen zu Jubiläen oder Vereinsgründungen. Archive verwahren nicht nur Archivgut, das in den Behörden selbst entstanden ist, sondern können auch Schriftgut von bedeutenden Personen oder Einrichtungen übernehmen. Manchmal hilft auch der Hinweis auf andere Archive oder die Online-Recherche in der digitalen Welt, wie dem Archivportal D.