Infrastruktur im Wandel – was ein modernes Straßenbauamt heute leistet

Wenn morgens tausende Menschen selbstverständlich über Straßen, Brücken, Kreisverkehre, Kreuzungen und Einmündungen oder durch Tunnel zur Arbeit fahren, wird eines oft als gegeben angesehen: eine funktionierende Infrastruktur. Doch dahinter steht tagtäglich ein erheblicher organisatorischer, technischer und personeller Aufwand.

„Nach inzwischen mehr als zwölf Jahren in der Straßenbauverwaltung erlebe ich, wie vielfältig und anspruchsvoll die Aufgaben eines modernen Straßenbauamtes geworden sind“, erklärt Nicolai Deveaux, seit 1. April neuer Leiter des Straßenbauamtes im Landratsamt Rastatt. „Unsere Arbeit umfasst längst nicht mehr nur den klassischen Straßenbau.“ Neben Planung und Bau von Kreisstraßen und Radwegen gehören heute insbesondere auch Betrieb und Unterhaltung von rund 100 Kilometern Bundesstraßen, von 220 Kilometern Landesstraßen und 225 Kilometern Kreisstraßen zu den Daueraufgaben. Zusammen mit den Radwegen betreut das Straßenbauamt damit ein Netz von rund 645 Kilometern Straßen und Wegen. Betrachtet man beide Fahrtrichtungen, Seitenräume sowie die Anforderungen des Betriebsdienstes, vervielfacht sich der tatsächliche Betreuungsaufwand nochmals erheblich.

Hinzu kommen unter anderem die Überwachung und Prüfung von Ingenieurbauwerken wie Brücken und Stützbauwerken und die Verkehrstechnik mit Schutz- und Sicherheitseinrichtungen, Ampelanlagen, Verkehrsgutachten und Verkehrszählungen. Sehr aufwändig ist auch die Baustellenkoordination mit zahlreichen Beteiligten. Immer wichtiger werden Maßnahmen zur Starkregen- und Klimaanpassung. Mit den Aufgaben sind vielfältige Abstimmungen mit Städten und Gemeinden, Polizei, Feuerwehr, THW, Rettungsdiensten, Versorgungsträgern und nicht zuletzt die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern verbunden.

Bereits kleinere Eingriffe in den Straßenraum müssen heute häufig mit zahlreichen Beteiligten abgestimmt werden. Hinzu kommen umfangreiche Genehmigungen etwa im Wasser-, Natur- oder Verkehrsrecht sowie technische Prüfungen, beispielsweise bei Brückenbauwerken oder verkehrssicherheitsrelevanten Maßnahmen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Qualität der Infrastruktur stetig. Straßen sollen möglichst jederzeit befahrbar sein, Baustellen schnell abgewickelt und Einschränkungen für Verkehrsteilnehmer möglichst gering gehalten werden.

„Hinzu kommt, dass viele Straßen und Brücken aus einer Zeit stammen, in der Verkehrsbelastungen deutlich geringer waren als heute“, ergänzt der Amtsleiter. Besonders der Schwerlastverkehr belastet Straßen und Brücken erheblich stärker als früher. Vielen Menschen ist dabei nicht bewusst, dass ein einzelner Lkw eine Straße im Schnitt etwa 10.000-mal und in Ausnahmefällen sogar 100.000-mal stärker beanspruchen kann als ein Pkw. Hintergrund ist das sogenannte „Vierte-Potenz-Gesetz“, wonach bereits geringe Erhöhungen der Achslasten zu einer überproportionalen Belastung und damit zu deutlich höherem Verschleiß von Straßen und Brücken führen können. „Die Erhaltung bestehender Infrastruktur wird deshalb zunehmend zu einer Daueraufgabe und in Teilen auch zu einer echten Herkulesaufgabe“, betont Nicolai Deveaux.

Neben den technischen Herausforderungen stehen auch die Straßenbauverwaltungen vor den Folgen des demografischen Wandels und eines zunehmenden Fachkräftemangels. „Qualifiziertes technisches Personal zu gewinnen und langfristig zu halten wird immer schwieriger“, so Deveaux. Gerade im Ingenieurbereich konkurriert die öffentliche Verwaltung zunehmend mit der Privatwirtschaft sowie anderen öffentlichen Arbeitgebern. Die Privatwirtschaft und auch die Autobahn GmbH bieten durch eigene Tarifstrukturen teilweise attraktivere Rahmenbedingungen.

Gleichzeitig stehen die öffentlichen Haushalte unter erheblichem Druck. Der Erhalt der Infrastruktur verursacht dauerhaft hohe Kosten, während die verfügbaren Ressourcen begrenzt bleiben. Dabei ist das Straßenbauamt Teil einer Gesamtverwaltung, in der zahlreiche Aufgabenbereiche mit begrenzten öffentlichen Mitteln finanziert werden müssen.

Umso wichtiger werden Steuerung, Priorisierung und ein wirtschaftlicher Mitteleinsatz. Nicht jede Aufgabe kann mit derselben Intensität bearbeitet werden. „Oberste Priorität hat dabei stets die Aufrechterhaltung eines sicheren und leistungsfähigen Betriebs unserer Infrastruktur“, betont Amtsleiter Deveaux. „Und für dieses Ziel setzen sich engagierte Mitarbeitende in Verwaltung, Planung und Straßenmeistereien im Straßenbauamt des Landkreises Rastatt täglich ein.“