Erste Kreisbeschreibung des Landkreises Rastatt erschien 1881

Vor 145 Jahren erschien die erste Kreisbeschreibung des Landkreises Rastatt. Das Werk „Der Amtsbezirk Rastatt” aus der Feder des Hauptlehrers Philipp Reinmuth stammt aus dem Jahr 1881. Verlegt wurde es im Verlag Wilhelm Hanemann und gedruckt von Johann Georg Vogel. „Der Band gilt trotz seines überschaubaren Umfangs von lediglich 46 Seiten als die erste Beschreibung des heutigen Landkreises Rastatt“, so Kreisarchivar Martin Walter. Weitere 45 Jahre sollten vergehen, bis 1926 der Lehrer Engelbert Spitz seine 233 Seiten umfassende, recht ausführliche „Heimatkunde vom Amtsbezirk Rastatt" veröffentlichte.

Philipp Reinmuth, der in jenen Jahren in der Rastatter Herrenstraße wohnte, publizierte seinen Band „als Hilfsmittel für den Lehrplan für die badischen Volksschulen". Gerade für die Heimatkunde sei dieses Buch ein „unentbehrliches Werk” für Schüler und Lehrer, wie er selbst in seinem Vorwort schrieb. Heute ist dieser Band eine Rarität und ein einzigartiges Zeugnis für den Landkreis Rastatt, der sich damals als „Amtsbezirk Rastatt “ auf die Region rund um Rastatt, die Hardt und das Murgtal beschränkte. Reinmuth gliederte seine Arbeit in elf „Abschnitte“. So beschrieb er  etwa „Lage und Grenzen", die „Bodenbeschaffenheit“ oder die „klimatischen Verhältnisse“.

Hauptlehrer Rheinmuth beschrieb aber auch den Verwaltungsaufbau im Amtsbezirk. Zum heutigen Landratsamt notierte er: „Für die Verwaltung des ganzen Amtsbezirks besteht das großherzogliche Bezirksamt zu Rastatt, dessen Vorstand zur Zeit den Titel ‘Stadtdirektor’ führt. Außer diesem ersten Beamten sind zur allseitigen Erledigung der vielen Dienstobliegenheiten in dem ausgedehnten Bezirke noch weitere Beamte, und zwar ein Amtmann und ein Referendär, sowie Registratoren und Aktuare von der Staatsbehörde angestellt.” Behördenchef war damals der in Mannheim geborene Karl Richard, der das Amt des Stadtdirektors von 1874 bis 1886 innehatte.

Reinmuth bot zudem Einblicke in die Geschichte des Amtsbezirkes von der „ältesten Zeit“ bis hin in die Gegenwartssituation des deutschen Kaiserreichs. Den größten Platz aber nahmen die Beschreibungen der damals 45 Gemeinden und Städte ein. Dass das Büchlein als Lehrbuch gedacht war, bezeugen die zahlreichen für die Schüler gedachten Fragen, die den „Abschnitten" nachgestellt waren.

„Über die Auflagenhöhe des Originals ist leider nichts bekannt. In den 1880er Jahren war das Werk sicher gut verbreitet“, so Kreisarchivar Martin Walter. Heute sind historische Ausgaben des „Reinmuth" sehr selten geworden. Beworben wurde der Band bei Erscheinen in den zeitgenössischen Zeitungen, so im August 1880 im „Murgtäler Boten". Angegeben war dabei ein Preis in Höhe von 50 Pfennigen pro kartoniertem Exemplar.

In diesen Anzeigen findet sich auch eine Empfehlung der Großherzoglichen Kreisschulvisitatur Baden: „Das Büchlein, der Amtsbezirk Rastatt unter Berücksichtigung des Normal-Lehrplanes für die badischen Volksschulen beschrieben von Philipp Reinmuth, Hauptlehrer in Rastatt, das einem wirklichen Bedürfniß abhilft, wird den Lehrern des Amtsbezirks Rastatt als dasjenige bezeichnet, nach welchem der lehrplanmäßige Unterricht und Heimathkunde zu ertheilen ist und zugleich zur Anschaffung für die Schulbibliotheken, sowie für die Hand der Schüler angelegentlich empfohlen." Im Jahr 2009 ließ das Kreisarchiv 300 Exemplare als Faksimile in Druck gehen.