Einweihung der gemeinsamen Dienststelle für Flurneuordnung in Karlsruhe

Landkreise Karlsruhe, Rastatt und der Enzkreis bündeln Kompetenzen

Pressemitteilung des Landkreises Karlsruhe

Die Landkreise Karlsruhe, Rastatt und der Enzkreis bündeln künftig ihre Kompetenzen im Bereich der Flurneuordnung in einer gemeinsamen Dienststelle in Karlsruhe. Die neue Organisationseinheit wurde am Montag, 18. Mai, im Beisein der drei Landräte sowie des Präsidenten des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung offiziell eingeweiht und wird künftig die Aufgaben im Bereich der Flurneuordnung landkreisübergreifend übernehmen. Ziel der Kooperation ist es, dass Herausforderungen wie die Anpassung an die Folgen des Klimawandels, die Umsetzung großer Infrastrukturprojekte sowie die Offenhaltung und ökologische Entwicklung der Kulturlandschaft weiterhin effizient und wirkungsvoll bewältigt werden.

(v.l.n.r.): Präsident Dieter Ziesel (Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung), Landrat Dr. Christoph Schnaudigel (Landkreis Karlsruhe), Landrat Prof. Dr. Christian Dusch (Landkreis Rastatt) und Landrat Bastian Rosenau (Enzkreis) bei der offiziellen Einweihung der gemeinsamen Dienststelle für Flurneuordnung in Karlsruhe.
(v.l.n.r.): Präsident Dieter Ziesel (Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung), Landrat Dr. Christoph Schnaudigel (Landkreis Karlsruhe), Landrat Prof. Dr. Christian Dusch (Landkreis Rastatt) und Landrat Bastian Rosenau (Enzkreis) bei der offiziellen Einweihung der gemeinsamen Dienststelle für Flurneuordnung in Karlsruhe. Foto: Landratsamt Karlsruhe

Das bewährte Instrument der Flurneuordnung hat sich von der reinen Verbesserung landwirtschaftlicher Produktionsbedingungen hin zu einem zentralen Werkzeug für die Umsetzung wichtiger Infrastrukturmaßnahmen aber auch für die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums gewandelt. Neben der Umsetzung von Bau- und Pflanzmaßnahmen mit staatlicher Förderung ermöglicht es insbesondere die Neuordnung von Eigentumsverhältnissen – häufig für mehrere tausend Grundstücke – und schafft damit die Grundlage für komplexe Vorhaben.

„Bei unseren Flurneuordnungsverfahren im Landkreis Karlsruhe legen wir aktuell einen besonderen Fokus auf die Folgenanpassung aufgrund des Klimawandels. Wir möchten die Außenbereiche der Kommunen besser auf die häufiger zu erwartenden Starkregenereignisse vorbereiten“, so Landrat Dr. Christoph Schnaudigel. Konkret plant der Landkreis unter anderem Verfahren in Gondelsheim und Helmsheim, um durch erosionshemmende Bau- und Pflanzmaßnahmen Schäden wie beim Starkregenereignis im August 2024 künftig zu reduzieren. Auch Infrastrukturprojekte wie ein Radweglückenschluss bei Wiesental werden durch Flurneuordnung ermöglicht.

Im Enzkreis liegt ein Schwerpunkt derzeit auf der Begleitung großer Infrastrukturmaßnahmen. Landrat Bastian Rosenau erklärte hierzu: „Für den Ausbau der A8 benötigt der Bund dutzende Hektar an landwirtschaftlicher Fläche. Ziel von zwei Flurneuordnungsverfahren bei Remchingen und Pforzheim ist es, dabei den Flächenverlust sozial verträglich auf einen größeren Kreis von Eigentümern zu verteilen“. Gleichzeitig werden im Rahmen der Verfahren auch Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung umgesetzt, etwa durch die Modernisierung von Feldwegen sowie die Förderung der Biotopvernetzung. Ein zentrales Beispiel ist der Bau einer Grünbrücke zwischen Mutschelbach und Nöttingen mit umfangreichen Leitpflanzungen zur Stärkung des landesweiten Biotopverbunds.

Auch im Landkreis Rastatt erfüllt die Flurneuordnung eine wichtige Funktion bei der Umsetzung von Infrastruktur- und Landschaftsprojekten. Landrat Prof. Dr. Christian Dusch erläuterte: „Eine leistungsfähige und verlässliche Verwaltung ist die Grundlage dafür, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich bewältigen können. Deshalb gehen wir bei der Flurneuordnung künftig einen gemeinsamen Weg mit dem Landkreis Karlsruhe und dem Enzkreis. Mit der neuen gemeinsamen Dienststelle können wir unsere Kräfte noch besser bündeln und unsere interkommunale Zusammenarbeit gezielt stärken. Gerade angesichts begrenzter finanzieller Spielräume ist diese enge Zusammenarbeit ein wichtiger Schritt, um Verantwortung zu übernehmen und zugleich handlungsfähig zu bleiben. Die Flurneuordnung ist für den Landkreis Rastatt ein unverzichtbares Instrument, um unsere einzigartige Kulturlandschaft zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Gerade in einer Region, die von der Rheinebene über die Weinbauhänge bis hinein in die kleinteiligen Strukturen der Schwarzwaldtäler reicht, braucht es intelligente Lösungen, um unterschiedlichste Nutzungsansprüche in Einklang zu bringen. Im Weinbau ermöglicht die Flurneuordnung eine bessere Erschließung und Bewirtschaftung der oftmals steilen und kleinteiligen Rebflächen und trägt so dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Winzer langfristig zu sichern. Gleichzeitig leisten wir in den Schwarzwaldtälern einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der gewachsenen Kulturlandschaft, indem wir die land- und forstwirtschaftlichen Flächen neu ordnen und die Infrastruktur gezielt verbessern. Darüber hinaus schafft die Flurneuordnung die Voraussetzungen für einen wirksamen Natur- und Hochwasserschutz sowie für die Umsetzung bedeutender Infrastrukturmaßnahmen. Die Flurneuordnung ist daher ein zentrales Element moderner Strukturpolitik im ländlichen Raum und ein entscheidender Baustein für eine nachhaltige Entwicklung unseres Landkreises.“

Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung unterstützt und begleitet die Verfahren landesweit und stellt jährlich Fördermittel in zweistelliger Millionenhöhe bereit. Präsident Dieter Ziesel betonte die Bedeutung der neuen Struktur: „Für eine nachhaltige Entwicklung unserer ländlichen Räume kann eine zukunftsfähige Flurneuordnungsverwaltung einen wesentlichen Beitrag leisten. Dies erfordert heute auch die Bündelung von Kompetenzen und eine Steigerung der Effizienz. Große Behördenstandorte – wie hier in Karlsruhe – sind für diese Anforderungen echte Chancen und darüber hinaus ein aktiver Beitrag, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ein flexibler Personaleinsatz zwischen den drei Landkreisen trägt den geänderten Rahmenbedingung Rechnung.“

Weiterführende Informationen

Der Landkreis Karlsruhe und der Enzkreis betreiben bereits seit dem Jahr 2018 erfolgreich eine gemeinsame Dienststelle Flurneuordnung. Diese Dienststelle wurde zum März 2026 mit der Flurneuordnungsbehörde des Landkreises Rastatt erweitert. Der Landkreis Rastatt war bisher formal einer Dienststelle mit den Landkreisen Freudenstadt und Calw zugeordnet. Diese wurde jedoch örtlich nie vollzogen.

Aufgrund der räumlichen Nähe zwischen Rastatt und Karlsruhe und der vergleichbar gelagerten Aufgabenstellungen der Verfahren im Enzkreis und in den Kreisen Karlsruhe und Rastatt wurde entschieden, eine neue gemeinsame Dienststelle am Standort Karlsruhe zu gründen und auch örtlich umzusetzen. Der Umzug ist nun abgeschlossen.

Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Landkreise bei ihrer Aufgabenerledigung, indem es Personal für die Bearbeitung der Flurneuordnungsverfahren an die gemeinsamen Dienststellen abordnet.

Mit der neuen gemeinsamen Dienststelle entsteht in Karlsruhe eine der größten Einheiten dieser Art in Baden-Württemberg. Landesweit bestehen derzeit 18 Dienststellen, in denen über 300 Flurneuordnungsverfahren bearbeitet werden.