Alltagshelden füllen Ferienfreizeiten des Jugendamtes mit Leben
Organisiert werden die Freizeiten des Landkreises Rastatt zwar vom Team Jugendarbeit und Jugendschutz des Jugendamtes, ohne die Ehrenamtlichen, von denen einige bereits seit vielen Jahren im Einsatz sind, wäre das Angebot aber nicht möglich. Landrat Prof. Dr. Christian Dusch hat im Februar mehrere langjährige Betreuungspersonen für ihr Engagement geehrt. „Uns als Landratsamt ist es wichtig, diese Menschen als unsere Alltagshelden hervorzuheben“, betont er.
Deshalb stellt das Jugendamt anlässlich des Alltagshelden-Fests am 3. Mai vier Personen aus dem ehrenamtlichen Betreuungsteam vor, die erzählen, was sie mit dem Ehrenamt und den Freizeiten verbindet:
„Ein Sommer ohne Lager war für mich als Kind undenkbar. Ich verbinde so viele Erinnerungen mit Lagerfeuer, meinen Betreuerinnen und Betreuern und den gemeinsamen Liedern, dass man damit Bücher füllen könnte. Sehr geprägt hat mich der Tauschtag. Dabei schlüpfen Kinder unter Anleitung der Betreuenden selbst in die Rolle und gestalten einen Tag. Ich wurde damals als Lagerleiter ausgewählt und durfte die anderen Kinder-Betreuer koordinieren. Am Abend moderierte ich meine erste Show – „Wetten, dass…“ – und spürte: Das ist genau mein Ding. Insgesamt ist es meine 14. Freizeit als Ehrenamtlicher für das Jugendamt. Dabei hatte ich verschiedene Rollen. In diesem Sommer werde ich wieder als Lagerleiter einer Freizeit aktiv sein. Als Lagerleiter arbeite ich vor allem im Hintergrund und sorge dafür, dass die Betreuenden für die Kinder da sein können“, erzählt der 34-jährige David Weingärtner.
Auch Janika Grund, 26 Jahre, berichtet von Ihrem Weg ins Ehrenamt: „Das Besondere ist, dass meine Eltern in ihrer Jugend selbst Betreuende bei der Freizeit des Landkreises waren und sich dort verliebt haben. Daher wurden meine Geschwister und ich natürlich auch für die Freizeit angemeldet. Danach war auch für mich klar, Teil des Betreuungsteams zu werden. In den letzten Jahren hatte ich verschiedene Aufgaben, habe mich hinter den Kulissen um einen reibungslosen Ablauf gekümmert oder bin als Gruppenbetreuerin Ansprechpartnerin für meine Gruppe gewesen und habe coole Programmpunkte organisiert.“
Der Dienstälteste des Betreuungsteams ist der 41-jährige Volker Stolz. In diesem Jahr wird er das 25. Mal dabei sein – ein Viertel Jahrhundert. „Ich bin sehr dankbar dafür, erleben zu dürfen, wie aus Heimwehtränen über die Dauer der Freizeit ein Abschiedsschmerz wurde, wie unsichere Kinder zu selbstbewussten Betreuenden heranwuchsen und aus Ferienflirts Familien wurden.“
Die Freizeiten des Landkreises Rastatt werden von den Ehrenamtlichen als einzigartiger Erfahrungsraum erlebt. So erzählt David Weingärtner begeistert: „Bei uns kommen Kinder aus dem gesamten Landkreis zusammen. Die Möglichkeit, sich außerhalb der gewohnten sozialen Umgebung auszuprobieren, ist unglaublich wertvoll. Man kann sich ganz neu erfinden. Ohne die Freizeit hätte ich selbst manche Talente nie entdeckt und viele Freunde nie kennengelernt. Ein schönes Beispiel stammt aus dem Jahr 2003. Damals hat uns ein Betreuer Skat beigebracht. Ich war zwölf Jahre alt. Ein 14-Jähriger und ein neunjähriger Junge waren – wie ich – völlig fasziniert. Heute, 23 Jahre später, treffen wir uns immer noch regelmäßig und spielen Skat.“
Für Janika Grund ist ebenfalls das Programmangebot wertvoll. „Es gibt Spiele, Shows, Lagerfeuer, Schwimmbad, Disco, aber besonders viel Spaß habe ich an den Neigungsgruppen. Dabei können die Teilnehmenden zwischen verschiedenen Aktivitäten wählen. Oft bieten die Betreuenden Aktivitäten an, die sie gut können, zum Beispiel Sportarten, basteln, musizieren. Es kommt aber auch vor, dass Teilnehmende spannende Hobbys haben, die sie bei den Neigungsgruppen teilen. Ich finde es schön, dabei voneinander zu lernen und habe so über die Jahre Grundkenntnisse in Gebärdensprache, Zaubertricks und verschiedenen Tänzen gelernt. Die Ferienfreizeiten sind besonders, weil ganz viele Menschen sie besonders machen.“
Durch die erfahrenen Betreuungspersonen wird auch Kindern mit bestimmten Einschränkungen oder Erkrankungen eine Teilnahme bei den Freizeiten des Landkreises Rastatt ermöglicht. Die 34-jährige Rabea Meier war als Kind Teilnehmerin und ist seit 2015 Gruppenbetreuerin. Sie erinnert sich an ein besonderes Erlebnis: „Ich hatte ein Kind mit Autismus in meiner Gruppe. Es war wunderschön zu sehen, wie dieses Kind von Tag zu Tag mehr aus sich heraus kam und die anderen Teilnehmenden auch auf das Kind zugingen. Genau solche Momente zeigen, was Freizeit ausmacht: Offenheit, Respekt und Zusammenhalt. Wir sind weit mehr als nur ein Team, das gemeinsam eine Freizeit organisiert. Wir sind eine Freizeit-Familie.“
Nicht nur die Kinder und Jugendlichen profitieren von dem ehrenamtlichen Einsatz. Auch die Engagierten selbst können vieles mitnehmen. „Durch Moderationen, Anleiten von Spielen und die Arbeit mit Gruppen habe ich gelernt, wie man ein gutes Team formt. Diese Erfahrung hilft mir heute in meinem Beruf als Führungskraft. Viele Methoden aus der Freizeit kann ich in meine Arbeitswelt übertragen. Besonders stolz bin ich auf einen Workshop, bei dem ich mit 70 Führungskräften den Ferienfreizeit-Klassiker ‚Volle 40‘ gespielt habe“, erzählt David Weingärtner. Oft hilft ein Ehrenamt eigene Stärken zu entdecken. So hat Janika Grund sich aufgrund ihrer dort gesammelten Erfahrungen für ein Lehramts- und Theaterpädagogikstudium entschieden. Auch Rabea Meier erzählt, dass das Ehrenamt ihr bei ihrem Beruf als Lehrerin hilft. „Ich kann in vielen Situationen flexibel reagieren und kreativ mit Herausforderungen umgehen.“
Das Jugendamt ist dankbar für diesen „Schatz“ an Alltagshelden. In den Sommerferien folgt bei den Freizeiten vom 10. bis 18. August und vom 18. bis 26. August der nächste Einsatz des ehrenamtlichen Teams. Aktuell gibt es noch freie Plätze für das Jugendhüttendorf Manderscheid in der Eifel. Anmelden können sich Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15 Jahren. Unter dem Motto, „Sherlock Holmes und der Fall Manderscheid“ stehen Abenteuer in der Natur im Mittelpunkt, ergänzt von einem vielfältigen Programm aus Geländespielen, kreativen Workshops und abendlichen Lagerfeuerrunden.
Die Teilnahme an der Freizeit kostet 290 Euro, für kreis-fremde Teilnehmende 330 Euro. Für Geschwisterkinder (einschließlich Pflegekinder) gibt es eine Ermäßigung von 25 Prozent. Im Preis inbegriffen sind Bustransfer, Verpflegung, Unterkunft sowie Programmkosten. Sollten finanzielle Schwierigkeiten bestehen, können unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse beantragt werden.
Service
Nähere Informationen zur Anmeldung sowie zu einem möglichen Zuschuss gibt das Team „Jugendarbeit und Jugendschutz“ telefonisch unter 07222-381-2257 oder per E-Mail an jugendreferenten@landkreis-rastatt.de.
Weitere Informationen auch unter www.landkreis-rastatt.de/jugendarbeit-und-jugendschutz oder auf Instagram unter @bsd_landkreisrastatt.
