Waldarbeit: Sicherheit ist oberstes Gebot

Die Forstämter des Landkreises Rastatt und der Stadt Baden-Baden haben einen gemeinsamen Fortbildungstag zum Thema Arbeitssicherheit veranstaltet. Dabei wurden rund 150 Forstleute und Forstunternehmer geschult. Im Staatswald zwischen Kuppenheim und Ebersteinburg fanden die Teilnehmer unter freiem Himmel beste Bedingungen vor.

Das Foto zeigt viele Forstleute und Forstunternehmer in Arbeitsschutzkleidung mitten in einem Wald. Sie alle nlle nehmen am gemeinsamen Fortbildungstag der Forstämter des Landkreises Rastatt und der Stadt Baden-Baden teil. Foto: Markus Krebs/Landratsamt Rastatt
Rund 150 Forstleute und Forstunternehmer wurden beim gemeinsamen Fortbildungstag der Forstämter des Landkreises Rastatt und der Stadt Baden-Baden geschult. Foto: Markus Krebs/Landratsamt Rastatt

Die Teilnehmer wurden an sechs Stationen rund um den Polizeischießstand im Waldgebiet „Ziegelwasen“ über aktuelle Entwicklungen und Neuerungen im Bereich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes informiert.  Bei der Begrüßung der Teilnehmer wies Forstdirektor Thomas Nissen, Leiter des Forstamts des Landkreises Rastatt, auf die Bedeutung der Arbeitssicherheit im Wald hin: „Der Anteil der Unfälle in der Forstwirtschaftsbranche ist etwa dreimal so hoch wie beispielsweise im Baugewerbe. Auch tödliche Unfälle sind keine Seltenheit. Der Arbeitssicherheit muss daher bei allen Arbeiten im Wald höchste Priorität eingeräumt werden“, so Nissen.

Rund 30 Prozent der Unfälle bei der Waldarbeit gehen laut Nissen auf Ausrutschen, Stolpern oder Stürzen bei der Forstbewegung im Gelände zurück. An der Station „Geschultes Laufen im Gelände“ zeigten Franziska Seebacher und Kim Sunkimat vom Klinikum Mittelbaden, wie man diese Art von Unfällen vermeiden kann. Die Teilnehmenden machten verschiedene Balanceübungen mit offenen Schuhen oder auf einer Slackline, um den Gleichgewichtsinn zu testen und zu verbessern. Außerdem erhielten sie Anleitungen für regelmäßige Übungen zur Verbesserung der Körperhaltung, der Koordinationsfähigkeit und der Sicherheit bei der Bewegung im unwegsamen Gelände.

Für einen angeregten Austausch sorgte vor allem die Station von Forstwirtschaftsmeister Norbert Peter der Stadt Bühl. Der Ausbilder zeigte den vorher eingeteilten Kleingruppen, wie man sicher Bäume mit abgestorbenen Ästen oder Kronenteilen fällt. Durch eingeschleppte Baumkrankheiten, die Klimaerwärmung und die zurückliegenden Dürreperioden weisen immer mehr Bäume Totäste und Kronenschäden auf. Kranke Bäume mit toten Ästen in der Krone bergen laut Peter eine große Gefahr für die Forstwirte, denn diese drohen bei der kleinsten Erschütterung herunterzufallen. Um dies möglichst zu vermeiden, erklärte Peter die neuesten Techniken für eine möglichst erschütterungsarme Fällung von Bäumen und stellte neue maschinelle Hilfsmittel wie ferngesteuerte Fällkeile und eine Rückeraupe für die seilunterstützte Baumfällung vor.

Ernährungsberaterin Melina Stoll informierte über gesundes, dem Alltag angepasstes Essen und animierte die Teilnehmer zu verschiedenen Ausgleichsgymnastik-Übungen zur leichteren Bewältigung des anstrengenden Alltags der Waldarbeit. Norbert Kasper von der Notfallseelsorge Baden-Baden erklärte den Teilnehmenden den richtigen psychischen Umgang mit Gefahrensituationen, richtiges Verhalten nach Unfällen und zeigte ebenfalls einige Achtsamkeitsübungen, um sich nach brenzligen Situationen wieder auf die Arbeit fokussieren zu können. Unterweisungen für die sichere Aufarbeitung von Sturmholz und Baumstämmen, die unter Spannung stehen, erhielten die Teilnehmer von Sicherheitsberater und Forstwirtschaftsmeister Robert Ebner.

Viele Teilnehmer berichteten aus eigener Erfahrung, dass sich Waldbesucher immer wieder unter Missachtung von Schildern und anderen deutlichen Hinweisen in Lebensgefahr bringen, in dem sie gesperrte Waldflächen betreten, während dort Bäume gefällt werden. Dabei handelt es sich nicht nur um Pilzsucher oder Spaziergänger, sondern teilweise auch um Mountainbiker oder Jogger, die im Wald Sport treiben und Wegesperrungen vorsätzlich missachten. Roman Merkel, Forstwirtschaftsmeister und Sicherheitsbeauftragter beim Forstamt Baden-Baden, erläuterte Techniken für die möglichst wirksame Absperrung gefährlicher Waldflächen und für eine sachliche und überzeugende Kommunikation mit uneinsichtigen Waldbesuchern.

Neben vielen interessanten Fortbildungsinhalten bot der Arbeitssicherheitstag nach langer Coronapause auch die Gelegenheit des fachlichen Austauschs zwischen den in den Wäldern des Stadt- und Landkreises tätigen Forstfachleuten. Da auch das Wetter mitspielte, zeigten sich Forstamtsleiter Thomas Nissen und alle Teilnehmenden zufrieden mit dem Ergebnis des Arbeitssicherheitstages.