Schulanfänger 2022 – Gesundheitsamt wertet Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung aus

Im Rahmen der Einschulungsuntersuchung wurden 1.825 Kinder aus dem Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden vom Gesundheitsamt des Landratsamtes untersucht. Die Untersuchungen fanden von Herbst 2020 bis Herbst 2021 statt.

Die Einschulungsuntersuchung steht immer im vorletzten Kindergartenjahr an. Dabei geht es nicht darum, zu diesem Zeitpunkt festzustellen, ob ein Kind schulreif ist. Ziel ist, zu erkennen, ob in verschiedenen kindlichen Entwicklungsbereichen noch Förderbedarf besteht und somit die verbleibende Zeit bis zum Schulbeginn optimal zu nutzen.

Gerade für besonders förderbedürftige Kinder haben sich in den vergangenen Jahren auch im Bereich des Gesundheitsamtes Rastatt die Fördermöglichkeiten verschlechtert. Lange Wartezeiten auf Förderung, reduzierte Betreuungszeiten in den Kindertageseinrichtungen (Kitas) bis hin zur Kündigung eines Platzes sind für die Sorgeberechtigten von besonders förderbedürftigen Kindern inzwischen Realität.

Ausdrücklich bemerkbar macht sich hier der Mangel an Kitaplätzen, der Fachkräftemangel in den Kitas und das Fehlen von sonderpädagogischen Fachkräften, um auf individuelle Entwicklungsrückstände und Problematiken der betroffenen Kinder und ihrer Familien eingehen zu können.

Bei den Einschulungsuntersuchungen werden der Impfschutz, die Teilnahme an den „U-Untersuchungen“ und etwaiges Über- und Untergewicht erfasst. Ferner werden die motorischen Fähigkeiten, das Seh- und Hörvermögen und der Sprachstand anhand standardisierter Verfahren geprüft.

Beim Impfschutz wird unter anderem auf die vollständig gegen Masern geimpften Kinder geschaut. Für einen vollständigen Masern-Impfschutz bei Kindern sind mindestens zwei Impfungen erforderlich. Um eine Weiterverbreitung auftretender Masernerkrankungen zu verhindern, ist eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erforderlich. Vollständig gegen Masern geimpft sind im Landkreis Rastatt 96,5 Prozent, in Baden-Baden 95,2 Prozent der Kinder.

Die Standardimpfungen im Säuglingsalter werden anhand der Keuchhusten-Impfquoten näher betrachtet. Die Kinder gelten als vollständig geimpft, wenn sie vier Impfdosen erhalten haben. Im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden liegen diese Impfquoten bei 93,5 Prozent bzw. 89,5 Prozent. Die Quoten für dreifach geimpfte Kinder liegen deutlich höher. Im Sinne der Vorbeugung rät das Gesundheitsamt Kindern und Erwachsenen, den individuellen Impfschutz durch ihre Kinder- oder Hausärzte überprüfen zu lassen und mögliche Impflücken zu schließen.

Ein wichtiger Bereich der Einschulungsuntersuchung ist die Erfassung der sprachlichen Fähigkeiten. Im Bereich des Gesundheitsamtes haben in diesem Jahr rund 32 Prozent der untersuchten Kinder einen intensiven Sprachförderbedarf im vorletzten Kindergartenjahr. Damit erreicht der Sprachförderbedarf zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung einen neuen Höchststand. Eine frühzeitige und optimierte Sprachförderung in den Familien und Kitas ist zu empfehlen, damit der spätere Schulstart gut gelingen kann.

In beiden Kreisen ist eine Zunahme an übergewichtigen Kindern festzustellen. Bei der Überprüfung des Gewichts ergab sich, dass im Landkreis Rastatt mittlerweile 14 Prozent der Kinder übergewichtig sind, die Hälfte davon sogar krankhaft übergewichtig (Adipositas). Im Stadtkreis Baden-Baden war bei zehn Prozent der untersuchten Kinder Übergewicht festzustellen, davon sind drei Prozent adipös. Im Landkreis Rastatt hat sich die Anzahl an krankhaft übergewichtigen Kindern im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Nach Einschätzung des Gesundheitsamts ist diese Entwicklung auf Bewegungsmangel und veränderte Ernährungsgewohnheiten während der Corona-Pandemie zurückzuführen.

Die Ergebnisse aus der Einschulungsuntersuchung sind auch für die neu gegründete Arbeitsgruppe „Gesund aufwachsen“ der Gemeinsamen Kommunalen Gesundheitskonferenz von Bedeutung, die sich mit dem Thema Ernährung und Bewegung von Kindern bis zum Schuleintritt beschäftigt.

Service: Bericht Einschulungsuntersuchung 2022 (PDF, 2,7 MB)