Rekordverdächtiges Mastjahr – Angstblüte der Bäume

In diesem Jahr produzieren unsere heimischen Bäume wieder reichlich Saatgut. Eine Erscheinung, die durch das warme trockene Klima immer mehr gefördert wird. Doch die rekordverdächtige Baumblüte könnte sich bald auf Dauer zeigen.

Unser Foto zeigt eine Buche mit Vollmasten, (Foto LRA/Thomas Nissen)
Bedingt durch die Klimaerwärmung kommt es immer häufiger zu Vollmasten bei der Buche (Foto LRA/Thomas Nissen) 

Ob Fensterbänke, Auto oder Terrasse – alles ist von gelbem Staub bedeckt. Doch dies ist nicht etwa der Saharasand, sondern die Pollen unserer heimischen Bäume, die in Massen blühen. 2022 ist ein sogenanntes Mastjahr. Dieser schöne und spektakuläre Anblick, der in ganz Mitteleuropa zu sehen kann, ist aber nicht immer ein gutes Zeichen. Darauf verweist Helena Bauer vom Forstamt des Landkreises Rastatt. „Aufmerksame Waldbesucher erkennen schnell, ob es sich um ein Mastjahr handelt.“

Mastjahre finden in der Regel alle paar Jahre statt, meist mit einem Abstand von sechs bis zwölf Jahren. Auch ist der Turnus von Baumart zu Baumart unterschiedlich. Doch dies ändert sich gerade drastisch. Ein Grund ist der Klimawandel. Das warme und trockene Klima begünstigt die massenhafte Vermehrung der Bäume. Hinzu kommen häufiger auftretende Spätfröste, die zahlreiche Blütenknospen im Frühling zerstören. Mit der Folge, dass sich das Jahr darauf dann zu einem Mastjahr entwickelt. „Die Natur regelt auf diese Weise die Verteilung von Ressourcen“, erklärt Helena Bauer. Beispielsweise entwickelt ein Feldahorn in starken Jahren eine Viertelmillion Blüten und eine Fichte bis zu 150.000 Blütenstände.

Auch auf die Waldbewohner haben Mastjahre Einfluss, denn diese steuern die Population. Das durch die „Angstblüte der Bäume“ entstandene Überangebot sorgt dafür, dass der Bestand an Tieren ansteigt, bis sie im Jahr darauf wieder zu wenig Nahrung finden. Dies ist ein natürlicher und sich stetig wiederholender Kreislauf der Natur.

Was auf den ersten Blick positiv wirken mag, täuscht. Für die Bäume bedeutet ein Mastjahr eine gute Verbreitung der Samen. „Problematisch ist jedoch, dass sie dadurch einen höheren Energiebedarf haben und geschwächt werden und somit ein leichtes Opfer für Schädlinge werden, wie etwa den Borkenkäfer bei der Fichte“, so Helena Bauer.

Die Bäume sind folglich im Klimastress. Dieses vermehrte Stressblühen ist eine direkte Reaktion auf den Klimawandel. Dazu kommt, dass in einer trockenen Periode Bäume absterben und vorher noch versuchen möglichst viele Nachkommen zu etablieren. Die Bäume wollen das Überleben einer neuen Generation sichern.