Hier im Schwarzwald kennt man sie. Die alten Wohnstallhäuser mit ihren ausladenden Walmdächern und ihren dunklen aber gemütlichen Stuben. Bis zu 400 Bäume wurden einst für das typische „Schwarzwaldhaus“ verbaut. Auch die Fachwerkhäuser im Murg- und Kinzigtal, mit ihren buntbemalten Holzträgern, tragen viel zum Charme der Regionen bei.

Damals war Holz das Mittel der Wahl. Die Nutzung von Holz als wichtigem Werk- und Brennstoff hatte jahrhundertealte Tradition. Ende des 18. Jahrhundert führte der hohe Holzbedarf und mangelnde Waldgesetze zu einer drastischen Übernutzung der Wälder. Nach der Industrialisierung und im Zuge der Globalisierung wurden vermehrt Alternativen wie Beton und Stahl als Baustoffe und Braun- oder Steinkohle als Brennstoffe angeboten und bis heute genutzt.

Alternativen, die damals innovativ waren, machen heute der Umwelt und dem Klima zu schaffen, denn der ökologische Fußabdruck dieser Stoffe sind enorm hoch. Bei der Herstellung von einem Kubikmeter Stahlbeton wird so viel CO₂ freigesetzt, wie 4.000 Bäume an einem Tag umwandeln müssten. Sarah Kubela vom Forstamt des Landkreises Rastatt plädiert für eine nachhaltige Waldwirtschaft und den heimischen Rohstoff Holz, denn der Hunger nach dem grauen Gold ist heutzutage so groß wie nie. Allein zwischen 2011 und 2013 hat China mehr Beton verbaut als die USA im gesamten 20. Jahrhundert. Das führt dazu, dass die Zementproduktion, als Grundbestandteil von Beton, für acht Prozent aller menschengemachten CO₂-Emissionen verantwortlich ist. Zum Vergleich: Der Verkehrssektor stößt 14 Prozent der globalen Treibhausgase aus.

Problematisch ist auch, dass Werkstoffe wie Stahl, Beton, Aluminium oder Plastik endlich sind und daher nicht nachhaltig bewirtschaftet werden können und für Folgegenerationen nicht zur Verfügung stehen. Was für die Menschen früher ganz normal war, nämlich heimisches Holz als nachwachsenden, regionalen Rohstoff zu nutzen, wird heute nach und nach wiederentdeckt. So finden sich in den Regalen der Läden mittlerweile von der Holzzahnbürste bis zur Brotdose allerlei innovative Holzprodukte. „Holz als langlebiger Werkstoff schützt das Klima“, betont Sarah Kubela.

Durch den Stoffwechsel eines Baums wird CO₂ aus der Luft aufgenommen, im Holz in Form von Kohlenstoff gebunden und Sauerstoff abgegeben. Jedes Holzprodukt speichert CO₂, das der Baum im Laufe seines Lebens der Atmosphäre entzogen hat. Diese Speicherung bleibt solange erhalten, bis sich die Holzzellen zersetzen oder das Holz verbrannt wird. Betrachtet man heute die alten Schwarzwaldhäuser wird deutlich, dass verbautes und vor Witterung geschütztes Holz Jahrhunderte überstehen kann und so das Treibhausgas über weite Zeiträume hinweg speichert.

Holz eignet sich hervorragend für die Kaskadennutzung und somit zur mehrfachen und langlebigen Verwendung, denn es ist sehr vielfältig und wandelbar. Mit seiner hohen mechanischen Festigkeit und dem vergleichsweise geringen Eigengewicht kann es im Bausektor mittlerweile sogar für die Konstruktion von Hochhäusern verwendet werden. Aus seinen Holzfasern ist neben Papier zudem auch die Herstellung von Textilien möglich.

Ein weiteres großes Plus von Holz ist die regionale Verfügbarkeit. Deutschland ist zu knapp einem Drittel seiner Fläche bewaldet. Gemeinden wie Forbach haben sogar einen Bewaldungsanteil von 90 Prozent. Hans-Jörg Wiederrecht, Förster im Revier Bermersbach, bestärkt: „Die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder bedeutet, eine Alternative zu klimaschädlichen Werkstoffen zu schaffen, lange Transportwege zu vermeiden und unabhängig von Drittstaaten zu sein.“

Was früher durch fehlendes Management zur Übernutzung der Wälder führte, wird heute durch die Waldbewirtschaftungsgesetze und die Förster kontrolliert. Wie viele Bäume wo gefällt werden, wird jedes Jahr waldbaulich geplant und auf seine Nachhaltigkeit überprüft. Es wird daher weniger Holz entnommen als nachwächst. „Und das ist der Knackpunkt, der den Unterschied zur Plantagenwirtschaft, zum Raubbau und zur Abholzung macht“, bekräftigt Sarah Kubela. „Daher muss man wissen, wo das Holz herkommt.“

In Deutschland werden Bäume nicht nur zur Holzgewinnung entnommen. Oftmals ist das gewonnene Holz ein Nebenprodukt aus Stabilisierungsmaßnahmen für unsere Wälder. Wird ein Baum gefällt, wird im frisch geschaffenen Lichtkegel Platz und Wärme für die Sämlinge und so für die nächste Generation Wald bereitgestellt. So sind auch viele seltene Tier- und Pflanzenarten wie der Ziegenmelker oder das Auerhuhn auf lichtere Waldbereiche angewiesen.

Durch Baumentnahmen in vor allem jungen Wäldern wird die Wasserkonkurrenz zwischen den Bäumen stark reduziert. Das stabilisiert die Wälder in den vermehrt trockenen Sommern. Auch zum Schutz der Waldbesucher werden Bäume mit abgestorbenen Ästen oder Krankheiten entfernt.

Die nachhaltige Waldwirtschaft hat sich zur Aufgabe gemacht, die Schutzfunktionen des Waldes als Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, die Erholungsfunktion als Naturraum für den Menschen und die Bereitstellung des Rohstoffes Holz als untrennbare Einheit zu sehen. „Denn, der Wald ist weit mehr als nur Holzlieferant und muss als Ganzes und in all seinen Funktionen betrachtet werden“, betont Sarah Kubela. Was für das Klima gut wäre zu vermeiden, wie z.B. abgestorbene Bäume, die CO₂ abgeben, wäre für die Biodiversität fatal. Wälder großflächig stillzulegen und somit klima- und umweltschädliche Stoffe anstatt Holz zu verwenden oder gar Holz aus anderen Ländern zu importieren hat wiederum schwerwiegende Folgen für das Klima. Sarah Kubela: „Daher heißt es einen guten Mittelweg zu finden und Schwarz-Weiß-Denken zu vermeiden.“