Landkreis Rastatt setzt Impuls zur fixierungsfreien Pflege: ReduFix-Schulungen werden fortgesetzt

Rund 60 Vertreter aus dem Pflege- und Betreuungsbereich folgten am vergangenen Dienstag der Einladung des Landratsamts Rastatt zur Impulsveranstaltung “ReduFix“. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Heimaufsicht des Landkreises in Kooperation mit der Betreuungsbehörde zur Reduzierung dauerhafter körpernaher Fixierungen in der Pflege. Der Startschuss für die Umsetzung des Projekts samt Schulungen fiel im Landkreis schon vor drei Jahren. Nach einer coronabedingten Zwangspause wird die ReduFix-Schulungsreihe nun fortgesetzt.

Das Foto zeigt eine Menschengruppe vor dem Landratsamt Rastatt. Zu sehen sind von links nach recht  Heiko Schäfer, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung und Bevölkerungsschutz, die Referenten André Hennig und Prof. Dr. Thomas Klie, Stephanie Bartsch, Leiterin des Amts für Soziales, Teilhabe und Versorgung, Landrat Dr. Christian Dusch und Dezernent Sébastien Oser. Foto: Janina Fortenbacher
Das Foto zeigt (v.l.n.r.) Heiko Schäfer, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung und Bevölkerungsschutz, die Referenten André Hennig und Prof. Dr. Thomas Klie, Stephanie Bartsch, Leiterin des Amts für Soziales, Teilhabe und Versorgung, Landrat Dr. Christian Dusch und Dezernent Sébastien Oser. Foto: Janina Fortenbacher

Bereits bei der Auftaktveranstaltung am 15. Juli 2019 ist es dem damaligen Landrat und Schirmherr der Initiative, Toni Huber, gelungen, zahlreiche Verantwortliche aus dem Pflegebereich von der Reduzierung freiheitsentziehender Maßnahmen zu überzeugen. An diese Erfolge möchte Landrat Dr. Christian Dusch nun anknüpfen, wie er bei der Impulsveranstaltung betonte: „ReduFix hat mich von Anfang an überzeugt und ich habe deshalb auch nicht gezögert, in Nachfolge von Herrn Huber die Schirmherrschaft zu übernehmen.“ Ziel sei es nun, mit der Impulsveranstaltung auch neue Einrichtungen von ReduFix zu überzeugen und diese auf dem Weg zur fixierungsfreien oder fixierungsarmen Einrichtung zu begleiten.

Die Corona-Pandemie habe insbesondere Pflegeeinrichtungen stark belastet und vor große Herausforderungen gestellt, blickte Dusch auf die vergangenen zwei Jahre zurück. Gleichzeitig habe die Pandemie aber auch jedem Einzelnen vor Augen geführt, „wie wichtig es ist, sensibel mit freiheitsentziehenden Maßnahmen umzugehen“.

Mit Prof. Dr. Thomas Klie, Sozialexperte und Mitinitiator des ReduFix-Projekts, sowie André Hennig, der als neuer Projektkoordinator agiert, konnten zwei namhafte Referenten für die Impulsveranstaltung gewonnen werden.

Hennig referierte zunächst zum Thema „Ohnmacht, Gewalt und freiheitsentziehende Maßnahmen in Corona-Zeiten“. Derzeit gebe es noch keine verlässlichen Daten dazu, wie sich die Pandemie auf Fixierungsmaßnahmen ausgewirkt habe. Allgemein könne man aber feststellen, dass es teilweise noch immer große Unterschiede bei der Häufigkeitsverteilung von freiheitsentziehenden Maßnahmen zwischen einzelnen Einrichtungen gebe. Als positiv nimmt Hennig wahr, dass nach den ReduFix-Schulungen rund 20 Prozent aller Fixierungsmaßnahmen reduziert werden konnten – insbesondere in Altenheimen.

In seinem zweiten Vortrag ging Hennig auf die Grundzüge des ReduFix-Konzepts ein und gab gleichzeitig einen Ausblick auf die Inhalte der Schulungsreihe. Fixierungsmaßnahmen fielen keiner Pflegekraft leicht, betonte Hennig. Aus Sorge, die betreute Person könne sich ohne Fixierung verletzen, würden die Maßnahmen dennoch oftmals angewendet. In den Schulungen will Hennig Alternativen zur fesselnden Fürsorge aufzeigen.

Prof. Dr. Klie stellte anschließend in seinem Vortrag ein Projekt aus Bayern zur Gewaltprävention in der stationären Pflege vor und beleuchtete die rechtlichen Dimensionen von freiheitsentziehenden Maßnahmen.

In der Pause zwischen den Vorträgen nutzen die Teilnehmer die Möglichkeit zum persönlichen und fachlichen Austausch. Das Landratsamt zog nach der Veranstaltung ein durchweg positives Resümee. „Dass tatsächlich so viele Einrichtungen vertreten waren, zeigt, dass es sich um ein wichtiges, sensibles und vor allem auch aktuelles Thema handelt“, so Tanja Plusczok vom Amt für Öffentliche Ordnung. In den Gesprächen mit den Mitarbeitern der Einrichtungen sei deutlich geworden, dass ein sehr großes Interesse an den Schulungen bestehe und damit verbunden auch der Wunsch, an der Thematik dranzubleiben, um für Bewohner, aber auch für das Personal etwas zu bewirken.