Zehn Jahre „Netzwerk Kinderschutz“ im Landkreis Rastatt

Genau zehn Jahre ist es her, seit im Beisein verschiedener Berufsgruppen und Kooperationspartner das „Netzwerk Kinderschutz“ auf Initiative des Jugendamtes im Landratsamt gegründet wurde. Damit wurde der Grundstein für ein Netzwerk gelegt, das sich fortan mit dem schwierigen und wichtigen Thema „Kinderschutz“ im Landkreis Rastatt beschäftigen sollte.

„Kinderschutz war ja weder für das Jugendamt, speziell die Allgemeinen Sozialen Dienste, noch für unsere Kooperationspartner ein Fremdwort. Kinderschutz ist damals auch nicht neu erfunden worden“, betont Stefan Biehl, der Sozialdezernent des Landkreises.
Allerdings war das Thema bereits in den Jahren davor nach einigen tragisch geendeten Kinderschutzfällen in Deutschland sowohl in der Fachöffentlichkeit und Politik als auch in den Medien in den Fokus gerückt. Es wurden Forderungen und Erwartungen an die Jugendämter und die Politik laut, um derartige Kinderschutzfälle künftig verhindern zu können.
 
Der 2005 neu in das Kinder- und Jugendhilfegesetz aufgenommene „Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“ löste vertiefte und teilweise auch kontroverse Diskussionen in der Kinder- und Jugendhilfe über Verbesserungen im Kinderschutz aus. In der Folge initiierte das Bundesjugendministerium das Aktionsprogramm „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“. Der Bund richtete im Jahre 2006 das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) ein, das als Kompetenzzentrum zum Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen verschiedenen Akteuren dienen sollte. 2012 trat das neue Bundeskinderschutzgesetz schließlich in Kraft.
 
Mit diesem Gesetz verfolgte der Gesetzgeber das Ziel, neben verschiedenen bereits existierenden Ländergesetzen eine bundeseinheitliche Regelung zum Umgang mit Kinderschutzfällen zu installieren. Gleichzeitig wollte er nicht nur Regeln für den Kinderschutz im engeren Sinne schaffen, sondern hat auch weitreichendere Themen mit aufgenommen, wie etwa Netzwerke, Frühe Hilfen, Befugnis zur Weitergabe von Informationen an das Jugendamt durch Berufsgeheimnisträger und Vorlage von erweiterten Führungszeugnissen. Diese gesetzlichen Vorgaben hatten Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendhilfe, auf die Kooperationspartner und das Netzwerk selbst.
 
Im Jahre 2009 startete das „Netzwerk Kinderschutz“ im Landkreis mit 35 Teilnehmern aus allen Diensten, Institutionen, Verbänden und Berufsgruppen, die in ihrem jeweiligen beruflichen Alltag unmittelbar mit Eltern und Kindern von 0 bis 6 Jahren zu tun haben (Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heilpädagogen, Psychologen, Erzieherinnen, Ärzte, Hebammen, Ergotherapeuten, Logopäden, Therapeuten und Polizisten). Gemeinsam wurden Inhalte und Bedarfe für die Netzwerkveranstaltungen überlegt und umgesetzt, Netzwerkpartner haben sich sukzessive vorgestellt, Themen wurden gemeinsam ermittelt und von Netzwerkpartnern wie vom Jugendamt eingebracht. Parallel zu der zentralen Netzwerkveranstaltung entstanden auch Regionalgruppen im Landkreis.
 
2011 erfolgte die Zusammenführung der Jugendämter der Stadt Rastatt und des Landratsamtes und somit auch die Zusammenführung des seit dem Jahre 2007 existierenden „Netzwerks Kinderschutz der Stadt Rastatt“ mit dem „Netzwerk Kinderschutz“ des Landkreises. Die Adressliste für das Netzwerk umfasste nach der Zusammenführung 75 Netzwerkpartner.
 
Das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz enthielt neue Vorgaben hinsichtlich des einzubeziehenden Personenkreises. In der Folge wurde das Netzwerk erweitert auf alle Einrichtungen, die mit Kinderschutz für Minderjährige zu tun haben, wie z.B. Schulen, Jobcenter, Arbeitsagentur und Suchtberatung. Das Netzwerk wuchs damit auf 135 Mitglieder an und hatte sich fortan mit Themen zwischen der Primärprävention bis zum Eingreifen im Gefährdungsfall zu befassen bzw. von der Familienbildung bis zur Inobhutnahme.
 
Es wurde schnell deutlich, dass ein sich in alle Richtungen vergrößerndes Netzwerk neuer Strukturen bedurfte. Deshalb bewarb sich das Landratsamt für das vom Universitätsklinikum Ulm und dem Kommunalverband für Jugend und Soziales durchgeführte Projekt „Netzwerk Frühe Hilfen und Kinderschutz II“. Im Rahmen des Projekts konnte der Landkreis in der Zeit von Mai 2012 bis September 2013 erfolgreich ein neues Konzept entwickeln. Das Netzwerk erhielt eine neue Struktur und verstand sich fortan auch als Plattform für weitere themenbezogene Gruppierungen und kleine Netzwerke zu speziellen Themen für bestimmte Zielgruppen. Es entstand eine Gemeinschaft, in der sich jedes Mitglied „so viel Netzwerk holt, wie für die Arbeit und Kooperation nötig ist“.
 
Das Netzwerk firmierte zum großen Netzwerk „Frühe Hilfen und Kinderschutz“. Die Zahl der Mitglieder ist seither konstant angewachsen und umfasst heute knapp 280 Personen. „Aus einem kleinen Pflänzchen hat sich in zehn Jahren ein gut verwurzelter Netzwerk-Baum entwickelt“, stellt Sozialdezernent Biehl zufrieden fest.