Unbegleitete minderjährige Ausländer - Möglichkeiten und Grenzen der Jugendhilfe

Aktuell befinden sich noch rund 100 unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) in Betreuung der Jugendhilfe des Landkreises Rastatt. Die meisten dieser Jugendlichen, die ohne Eltern aus verschiedenen Ländern in Deutschland eingereist sind, leben seit etwa drei Jahren in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe wie beispielsweise in Wohngemeinschaften oder einer eigenen betreuten Wohnung.

Nach ihrer Ankunft wurden die meisten der sogenannten UMAs zunächst in einer intensiver betreuten Wohngruppe untergebracht. Mit Hilfe der Betreuer konnten die jungen Menschen einen Schulplatz erhalten, um so schnellstmöglich die deutsche Sprache erlernen zu können. Hierfür wurden an den Beruflichen Schulen spezielle Klassen für Flüchtlinge geschaffen, in denen der Spracherwerb im Vordergrund stand. Ein Teil der Geflüchteten hat in seinem Herkunftsland keine Schulbildung erhalten, so dass sie hier erstmals alphabetisiert wurden.
 
Einerseits war es für die jungen Menschen zu Beginn schwierig, die kulturellen Unterschiede zwischen ihrem Herkunftsland und Deutschland zu verstehen, anderseits stießen sie in ihren Wohngruppen zusätzlich auf kulturelle Unterschiede der dort untergebrachten UMAs. Durch die Unterstützung der Betreuer gelang es den Jugendlichen besser sich zurechtzufinden und Hemmungen und Vorurteile anderen Nationalitäten gegenüber abzubauen.
 
Die Kommunikation zwischen den Helfern und den Jugendlichen, aber auch zwischen den Jugendlichen untereinander, war zu Beginn eine Herausforderung für alle Beteiligten und forderte viel Geduld und die Unterstützung von Dolmetschern. Hier konnte auf ein ehrenamtliches Dolmetschernetzwerk zurückgegriffen werden, in dem sich viele Bürger mit Migrationshintergrund engagieren. Dies war unter anderen auch hilfreich, wenn es um die Abklärung des Gesundheitszustandes der Jugendlichen ging, etwa bei Impfungen.
 
Mit zunehmendem Spracherwerb konnten mit den Jugendlichen weitere wichtige Themen zur Verselbstständigung und Integration besprochen werden. Dazu gehören die eigene Haushaltsführung, das deutsche Behördensystem, der Umgang mit Finanzen und die Auseinandersetzung mit den hiesigen Werten und Normen. Durch Unterstützung der Jugendhilfe wurde den Jugendlichen die Möglichkeit geboten, diese Themen altersgerecht und verständlich zu erlernen, um so auf ein Leben außerhalb des beschützten Raumes vorbereitet zu werden.
 
Während zu Beginn die Beschulung und der Spracherwerb vorrangig waren, stehen die UMAs und die Helfer zwischenzeitlich vor weiteren Herausforderungen. Nachdem durch den Schulbesuch ein bestimmtes Sprachniveau erreicht wurde, war es den Jugendlichen möglich, einen Hauptschulabschluss anzustreben oder eine Ausbildung zu beginnen. Die Jugendhilfe steht dabei mit einer individuellen Förderung zur Seite, um eine passende berufliche Perspektive zu erarbeiten. Zwischenzeitlich befinden sich 30 junge Leute in Ausbildung, ansonsten besuchen sie weiterhin die Schule oder gehen einer Arbeit nach.
 
Die meisten Chancen eine Ausbildung zu beginnen ergeben sich im Handwerk oder in der Pflege, zum Beispiel als Maler, Gesundheits- und Krankenpflegehelfer, Gärtner oder Maurer. Vielen Jugendlichen gelingt es, in der praktischen Arbeit im Rahmen der Ausbildung gute Leistungen zu erbringen. Die UMAs mussten sich oft innerhalb kurzer Zeit im deutschen Schulsystem zurechtfinden und die deutsche Sprache erlernen, wobei sie häufig nur eine geringe Schulbildung mitbrachten. Dadurch können sich in der Berufsschule Schwierigkeiten ergeben, da die Anforderungen steigen und fachspezifische Inhalte hinzukommen. Das Jugendamt unterstützt die Jugendlichen dabei, bei Bedarf Nachhilfeangebote in Anspruch nehmen zu können, zum Beispiel durch Förderangebote der Arbeitsagenturen oder durch ehrenamtliche Nachhilfelehrer.
 
Im Hinblick auf die berufliche Perspektive kann die Jugendhilfe an ihre Grenzen kommen. In Einzelfällen ist es den Jugendlichen aufgrund ausländerrechtlicher Regelungen nicht möglich, eine Ausbildung zu beginnen oder einer Arbeit nachzugehen. Durch gesetzliche Auflagen ist eine Wohnsitznahme nicht überall gestattet und dadurch ein Umzug außerhalb der Landkreisgrenze nicht ohne weiteres möglich. Während die Jugendlichen gute Chancen haben durch den Fachkräftemangel und engagierte Betriebe einen Ausbildungsplatz zu finden, stellt die Wohnungssuche eine große Schwierigkeit dar. Es fehlt vor allem an kleinen und finanzierbaren Wohnungen oder WG-Zimmern im Landkreis.
 
Mitunter spielen auch die persönlichen Grenzen der Jugendlichen eine Rolle wie beispielsweise schulische Leistungen, Motivation und psychische Belastung. Daher bedarf es eines Zusammenspiels aller beteiligten Behörden und Institutionen sowie den Jugendlichen selbst, um eine gelingende Integration erreichen zu können.