Rußrindenkrankheit bedroht Ahornbäume

Nicht nur das aus Ostasien eingeschleppte Eschentriebsterben macht dem Auewald zu schaffen. Ein neuer Schaderreger beim Ahorn, Auslöser der Rußrindenkrankheit, breitet sich auch im Landkreis Rastatt aus. Die Ausmaße sind zwar noch überschaubar, das Kreisforstamt ist dennoch besorgt und alarmiert.

In einem Ökosystem herrscht in der Regel ein Gleichgewicht zwischen den Arten und ihren Schädlingen. Gravierende Störungen können diese Balance in Gefahr bringen. Störungen können nicht nur durch klimatische Veränderungen, einhergehend mit Extremwetterereignissen wie Dürre und Sturm, verursacht werden, auch der globale Warenverkehr kann dazu beitragen. So können sich Krankheitserreger in neue Gebiete verbreiten und auch Epidemien entwickeln.
 
Seit längerem bekannte Beispiele hierfür sind pilzliche Schaderreger an der Ulme (Ulmensterben) und der Esche (Eschentriebsterben). Das Auftreten des Pilzes, der für die Rußrindenkrankheit verantwortlich ist, wird durch mangelnde Niederschläge und steigende Temperaturen, die zu Trockenstress führen, maßgeblich begünstigt.
 
Ursprünglich kommt der Pilz aus Nordamerika und wurde erstmals um 1945 in England festgestellt. Seitdem kam er vereinzelt vor. Erstnachweise aus anderen europäischen Ländern wie Österreich, Schweiz, Frankreich, Tschechien und Italien folgten auf das Trockenjahr 2003. Auch in Deutschland ist die Baumkrankheit seit 2005 verstärkt aufgetreten. Infolge der Trockenheit im Sommer 2015 häufen sich die Schäden durch die Rußrindenkrankheit. Hier ist von den Ahornarten vor allem der Bergahorn betroffen, der weniger trockenheitstolerant ist als Spitz- oder Feldahorn.
 
Die Ausbreitung des Pilzes erfolgt über Sporen, die über den Wind verteilt werden und über kleine Verletzungen den Baum infizieren. Der Erreger ist ein Parasit, der die Wachstumsschicht des Baumes unter der Rinde besiedelt. Erst bei Schwächung des Wirtsbaumes durch Stress aufgrund schlechter Wasserversorgung bildet der Pilz ein flaches Geflecht mit massenhaft pulverförmigen, rußartigen Sporen aus. Zwischen Befall und Ausbildung der Sporenlager können je nach Vitalität des Baumes mehrere Jahre vergehen. Monate nach dem Befall schält sich die betroffene Rinde ab und die schwarze Sporenmasse wird freigelegt, die dann vom Wind verteilt oder vom Regen abgewaschen wird.
 
Die Sporen des Pilzes sind schon seit längerer Zeit versteckt in unseren Wäldern vorhanden. Erst in den letzten beiden Trockenjahren kam es vermehrt zum Ausbruch der Krankheit im Landkreis. Im Jahr 2019 wurden die Schäden vor allem an den Bäumen ersichtlich, die im Jahr zuvor besonders unter Trockenstress gelitten haben. Hier wurden beispielsweise im Stadtwald Bühl im Riedwald einzelne befallene Bäume entfernt. Speziell in Lichtenau kam es im letzten Jahr auf einer Fläche von knapp einem Hektar gar zum flächigen Ausfall einer Bergahornkultur. Lediglich einzelne noch vital erscheinende Bäume wurden stehengelassen.
 
Neben der Gefahr für die Bäume besteht auch eine Gefährdung für den Menschen. Durch das Einatmen einer hohen Konzentration kann es zu einer Entzündung der Lungenbläschen kommen. Um 1990 gab es vereinzelt Berichte aus den USA von erkrankten Arbeitern in Sägewerken und Papierfabriken, die über Jahre hinweg beim Entrinden und Sägen von befallenen Ahornbäumen erkrankten. In Deutschland sind bisher keine Erkrankungen bekannt.
 
Im Gegensatz zum Eichenprozessionsspinner, dessen giftige Brennhaare heftige Symptome hervorrufen können, besteht für Waldspaziergänger durch die Pilzsporen der Rußrindenkrankheit in der Regel keine Gefahr. Lediglich Menschen, die beruflich ständig mit diesen Sporen intensiv in Berührung kommen oder Menschen mit vorbelasteter Lunge sind grundsätzlich gefährdet.
 
In Waldbereichen mit erhöhter Verkehrssicherungspflicht oder hoher Besucherfrequenz sollten daher befallene Bäume zeitnah gefällt werden. Um möglichen Gefahren beim Aufarbeiten vorzubeugen, ist dabei eine leicht zu reinigende Schutzausrüstung mit Atemschutz zu tragen. Befallenes Holz, an dem schwarze Sporenlager vorhanden sind, sollten nach Möglichkeit abgedeckt und entsorgt oder in wenig frequentierte Waldbereiche umgelagert werden. Spätestens nach einem Jahr sind keine Sporen mehr zu erwarten. Ansonsten wird Waldbesitzern empfohlen, befallene Bäume als Totholz im Wald stehenzulassen und diese nicht als Brennholz zu verwerten.
 
Trotz des trockenen Vorjahres sind in diesem Jahr bislang nur vereinzelt neue Funde der Rußrindenkrankheit entdeckt worden. Die Forstleute sind jedoch sensibilisiert und wachsam. Eine weitere Ausbreitung ist vor allem in der Rheinebene und den unteren Lagen des Schwarzwalds zu befürchten.
 
Bild: Schwarze Sporenschicht (Cryptostroma corticale) unter der Rinde
 
(Foto: LRA/Kist)

(Erstellt am 08. September 2020)