Leben am Fluss – Bauen im Überschwemmungsgebiet

Der schöne Blick, das gute Klima - das Leben am Fluss ist bei vielen Menschen extrem beliebt. Viele Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg entdecken die Flüsse wieder, an denen sie liegen. Wohnen am Fluss wir zunehmend attraktiver.

Im Landkreis Rastatt zählen dazu etwa die Planungen für die Bebauung des ehemaligen Pfleiderer-Areals an der Murg in Gernsbach. In Pforzheim ist die Entwicklung der Flusslandschaft zur Verbindung der Innenstadt mit den Gewässern ein Thema. Im Rahmen der Remstal-Gartenschau wurde die Rems an vielen Stellen beispielhaft renaturiert. In Mannheim soll der Stadtteil Jungbusch den Rhein wieder zur Geltung bringen.
 
Aber ein Fluss ist auch ein Stück Natur, das bei Hochwasser ganz schön gefährlich werden kann. Das Umweltamt im Landratsamt Rastatt verweist auf die bereits seit dem Jahre 2007 in der Europäischen Union bestehenden verbindlichen Regelungen zum Umgang mit Hochwassergefahren. Die europäische Richtlinie über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken wurde im Jahre 2009 von der Bundesregierung in das nationale Wasserhaushaltsgesetz übernommen.
 
In Baden-Württemberg wurden mit dem neuen Wassergesetz die bei einem statistisch alle hundert Jahre auftretendem Hochwasserereignis überfluteten Gebiete als Überschwemmungsgebiete festgesetzt. Die Ausweisung hat das Ziel, Schäden durch Hochwasserereignisse zu verringern oder sogar gänzlich zu vermeiden. Sie zählt zu den strategischen Vorsorgemaßnahmen im vorbeugenden Hochwasserschutz.
 
Überschwemmungsgebiete dienen unter anderem dem Erhalt oder der Gewinnung, insbesondere Rückgewinnung von Rückhalteflächen. Ein wichtiger Aspekt ist die Regelung des Hochwasserabflusses und der Erhalt oder der Verbesserung der ökologischen Strukturen des Gewässers und seiner Überflutungsflächen. Aber auch die Verhinderung erosionsfördernder Maßnahmen und der hochwasserangepasste Umgang mit wassergefährdenden Stoffen spielen eine wichtige Rolle.
 
In Gebieten, die bei Hochwasser überflutet werden können, gelten besondere Schutzvorschriften. So sind dort zur Vermeidung späterer Hochwasserschäden die Ausweisung neuer Baugebiete im Außenbereich ebenso wie die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen in der Regel untersagt. Weiterhin ist es im Allgemeinen nicht zulässig, Grünland in Ackerland umzuwandeln oder Baum- und Strauchpflanzungen anzulegen.
 
„Grundsätzlich ist es empfehlenswert, neue Bauvorhaben außerhalb von Überschwemmungsgebieten zu planen“, rät das Umweltamt. Ist es nicht vermeidbar, sollte man sich rechtzeitig über die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung und Einschränkungen zum Bauen informieren.
 
Weitere Information: www.um.baden-wuerttemberg.de mit Link zu den Hochwassergefahrenkarten. Wissenswertes liefern auch die „Hochwasserschutzfibel des Bundesumweltministeriums und das DWA Merkblatt 553 über „Hochwasserangepasstes Planen und Bauen“.
 

(Erstellt am 12. September 2020)