Landwirte setzen die vielfältigen Anforderungen einer fachgerechten Düngung um

Rinderhalter Andreas Burgert aus Ottersweier ist einer der Landwirte, die am Düngeseminar im Landratsamt Rastatt teilnehmen. Mit Hilfe des Computerprogramms „Düngung-BW“, das die Landwirtschaftsverwaltung Baden-Württemberg zur Verfügung stellt, können die Landwirte den jährlichen Düngebedarf der angebauten landwirtschaftlichen Kulturen ermitteln. Samuel Gesell, Leiter des Sachgebiets „Landwirtschaftliche Produktion“ im Landwirtschaftsamt, stellt das EDV-Programm vor und gibt weitere Informationen zur fachgerechten Düngung.

Die Ermittlung des Düngebedarfs ist als wesentlicher Grundsatz der guten fachlichen Praxis seit 1996 in der Düngeverordnung verankert. „Diese Vorgabe ist also nichts Neues“, erläutert Samuel Gesell. „Neu ist allerdings, dass seit 2017 der Düngebedarf nicht nur konsequent für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit vor der Ausbringung wesentlicher Nährstoffmengen an Stickstoff und Phosphat zu ermitteln ist, sondern nun vor der Ausbringung auch die Düngermenge von den Landwirten dokumentiert werden muss. Wie schon bisher müssen die im Boden verfügbaren Nährstoffmengen an Stickstoff und Phosphat ermittelt und einschließlich der Nährstoffgehalte der auszubringenden Düngemittel aufgezeichnet werden. Die Düngeverordnung gibt kultur- und standortspezifische Obergrenzen an Stickstoff und Phosphat vor, die nicht überschritten werden dürfen.
 
So findet Landwirt Burgert für die Düngung seines Winterweizens im EDV-Programm die Menge an Stickstoff, die der Weizen bei dem erwarteten Ertrag benötigt. Für die Berechnung der Düngemenge ist die Stickstoff-Nachlieferung der Vorfrucht, der Zwischenfrüchte und der organischen Düngung des Vorjahres sowie die Stickstoff-Nachlieferung aus der organischen Substanz aus dem Boden zu berücksichtigen.
Diese Berechnung hat zum Ziel, dass nur die Nährstoffmenge gedüngt wird, die der Bestand zur Erzielung des erwarteten Ertrags benötigt und keine Überdüngung erfolgt.
 
Samuel Gesell erläutert, wie wichtig bei der Düngung ein nachhaltiger und ressourceneffizienter Umgang mit den Nährstoffen bei der landwirtschaftlichen Erzeugung ist. Insbesondere sind Nährstoffverluste in die Umwelt so weit wie möglich zu vermeiden.
 
Darüber hinaus regelt die Düngeverordnung Ausbringungsbeschränkungen für stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel in Abhängigkeit von Standort und Bodenzustand. Ebenso werden Sperrzeiten für die Aufbringung und Vorgaben zur Lagerung organischer Düngemittel gemacht.
 
Andreas Burgert ist einer von knapp 70 Rinderhaltern im Zuständigkeitsbereich des Landwirtschaftsamtes. Er setzt zur Düngung seiner landwirtschaftlichen Kulturen auch die Gülle und den Mist aus seinem Rinderbestand ein. Seine Wiesen düngt er ausschließlich mit diesen organischen Düngemitteln und verzichtet dort auf mineralische Düngung. Rindergülle und –mist sind ideale Mehrnährstoffdünger, die unter anderem die Pflanzennährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium enthalten.
Die Nährstoffe gelangen über das Viehfutter von den Wiesen und Weiden wieder in den Betriebskreislauf. Lediglich fünf Prozent der auf dem Grünland ausgebrachten Nährstoffe verlassen den Betrieb durch die Milch- und Fleischproduktion. Über die Düngung mit Gülle und Mist ist der Nährstoffkreislauf im Betrieb somit nahezu geschlossen.
 
Die Zahl der Rinderhalter ist in den letzten Jahren landesweit und auch in der mittelbadischen Region stark zurückgegangen. Die Wiesen werden weiterhin für die Heuproduktion genutzt. Somit werden bei stetiger Aufgabe der Rinderhaltung die Wiesenflächen schlecht oder gar nicht mehr mit Pflanzennährstoffen versorgt. Dies kann langfristig zu einem Rückgang der Pflanzenarten und damit zu Verlusten der Biodiversität führen.
 
Zu sehen ist das auf manchen extensiv genutzten Wiesenflächen, bei denen kaum mehr Wiesenblumen stehen und eine lückige Grasnarbe mit teils blankem Boden zu finden ist. Gerne machen sich auf diesen Flächen auch unerwünschte Pflanzenarten wie etwa das Jakobskreuzkraut breit. Das zeigt, dass Pflanzen eine ausgewogene Nährstoffversorgung brauchen, damit sie optimal wachsen können.
 
Auch bei der Ausbringung von Gülle gilt es, Nährstoffverluste zu vermeiden, vor allem in Form von Ammoniakausgasung. Um diese Verluste zu minimieren, arbeitet Landwirt Burgert die ausgebrachte Gülle auf Ackerflächen unverzüglich ein. Wird Gülle auf Wiesen ausgebracht, beachtet er die Witterung und versucht bei Regen oder kurz vor Beginn des Niederschlags die Gülle auszubringen.
 
Auch in der neuen Düngeverordnung gibt es einige Regelungen zur Minderung der Ammoniakverluste. Diese besagen, dass die Gülle künftig nicht mehr breitflächig verteilt werden darf, sondern streifenförmig und bodennah ausgebracht werden muss. Dies bereitet vielen Tierhaltern Sorgen, denn die Technik hierzu ist sehr teuer und gerade für kleine Betriebe nicht lohnenswert. Der Milchviehbetrieb Hurst in Sinzheim hatte diesbezüglich Glück. Er konnte ein gebrauchtes Güllefass mit Schleppschlauch erwerben, das den neuen Anforderungen genügt.
 
Mit den in der Düngeverordnung vorgegebenen Sperrzeiten für die Ausbringung von Düngemittel mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff über den Herbst und Winter kommen beide Landwirte bisher gut zurecht. Beide Betriebe haben genügend Fläche und ausreichende Güllelager. Betriebe in anderen Regionen mit größeren Tierbeständen mussten teilweise Flächen zupachten, zusätzlichen Güllelagerraum schaffen oder den Tierbestand verringern, um die verlängerten Sperrzeiträume einhalten zu können.
 
Weitere Information: www.duengung-bw.de oder Landratsamt Rastatt, Landwirtschaftsamt, Telefon 07222 381-4500 oder per E-Mail an amt35@landkreis-rastatt.de.
 
 
Bild:
Gülleausbringung mit sofortiger Einarbeitung im Frühjahr vor der Aussaat von Körnermais bei Sinzheim (Foto: LRA)