Für die Straßenmeistereien des Landkreises kommt der Winter nie überraschend

552 Kilometer umfasst das klassifizierte Straßennetz in der Obhut des Landkreises Rastatt. Das ist eine Strecke, die am Stück gesehen etwa bis nach Mailand oder Paris führt. 110 Kilometer Bundesstraßen, 218 Kilometer Landesstraßen und 224 Kilometer Kreisstraßen sind vom Straßenbauamt sommers wie winters zu unterhalten, wie es im hoheitlichen Aufgabenkatalog heißt. Auf die kalte Jahreszeit bezogen bedeutet das für die Straßenmeistereien in Bühl und Gernsbach, dass sie über 550 Straßenkilometer von Schnee und Eis befreien und dafür Sorge tragen müssen, dass der Verkehr – insbesondere der morgendliche Berufsverkehr – ohne größere Probleme vorankommt.

Darum ist für die beiden Straßenmeistereien bereits nach dem Winter wieder „vor dem Winter“. Im Sommer werden die Räum- und Streugeräte gewartet und auf Vordermann gebracht. Auch die Pumpstationen und Solemixstationen der Soletanks werden auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft. Und die Streusalzlager und Soletanks werden im günstigeren Sommerbezug wieder für die nächste Saison aufgefüllt. „Bis Ende Oktober steht die Organisation des Winterdienstes mit insgesamt 24 Straßenwärtern komplett, sodass uns auch ein früher Wintereinbruch nicht überraschen kann“, betont Thomas Marx, der Leiter des Straßenbauamtes.
 
Insgesamt stehen rund 2.650 Tonnen Streusalz und ca. 120.000 Liter Sole für die anstehende Winterzeit zur Verfügung. Jeweils 800 Tonnen Salz lagern in den Straßenmeistereien in Bühl und Gernsbach, 600 beziehungsweise 450 Tonnen in den Winterdienststützpunkten Herrenwies und Niederbühl.
 
Feuchtsalz kommt grundsätzlich überall dort zum Einsatz, wo Reifglätte und überfrierende Nässe öfter vorkommen, denn dann ist die Technik durch die schnelle und sofortige Tauwirkung äußerst effektiv.
 
„Bei entsprechenden Wetterprognosen kommt das Feuchtsalz auch vorbeugend zum Einsatz, damit erst gar keine Glätte entstehen kann“, betont Thomas Marx. Bei Neuschnee wird es hingegen lediglich während der ersten Einsatzfahrt ausgebracht, um die Strecken räumfähig zu halten. Bei heftigem Schneefall, insbesondere in den Höhenlagen, bleibt daher weiterhin das Räumschild erste Wahl, um die Straßen befahrbar zu halten.
 
Aus dem Fuhrpark der beiden Straßenmeistereien kommen sechs Unimogs im Winterdienst zum Einsatz. Zusätzlich steht jeweils ein Dreiachser-LKW bereit. Bei Bedarf kann die Straßenmeisterei in Gernsbach zur Verstärkung auf drei Fremdunternehmer zurückgreifen, der Bühler Straßenmeisterei stehen im Bedarfsfall zwei externe Unternehmen zur Seite.
 
Wann die insgesamt 24 Straßenwärter der beiden Straßenmeistereien in Sachen Winterdienst gefordert sind, darüber werden die jeweiligen Einsatzleiter von den sogenannten „Meldern“ rechtzeitig informiert. Die Melder, ebenfalls ausgebildete Straßenwärter, befahren morgens in der Frühe bereits nach drei Uhr markante Bereiche im klassifizierten Straßennetz, die besonders auffällig und anfällig für winterliche Beeinträchtigungen sind. Dazu zählen insbesondere die Höhenlagen des Schwarzwaldes. Werden dort entsprechende Straßenverhältnisse registriert, wird ein entsprechender Winterdiensteinsatz ausgelöst.
 
Der Landkreis beschränkt sich beim Winterdienst aber nicht nur auf sein eigenes „Straßenrevier“, sondern unterstützt die Gemeinden nach besten Kräften bei den Ortsdurchfahrten im Zuge der klassifizierten Straßen.
 
Der vergangene Winter war insgesamt „milde“, was sich auch bei den Kosten widergespiegelt hat. So sind im Winterdienst für den Landkreis „lediglich“ Aufwendungen in Höhe von rund 467.000 Euro entstanden. Gegenüber der Bilanz aus dem Jahr 2017/2018 war der zurückliegende Winter damit um knapp 30 Prozent günstiger.