Ein kleiner Schluck mit großen Folgen

Wie groß die Folgen selbst bei einer geringen Menge an Alkohol während der Schwangerschaft sein können, erfuhren rund 90 Teilnehmende bei einer Veranstaltung für Fachkräfte, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtkreis Baden-Baden im Landratsamt Rastatt stattfand. Die Ärztin Heike Kramer und Vorsitzende Gisela Bolbecher vom FASD-Netzwerk Nordbayern informierten über das Fetale Alkoholsyndrom (FASD) bei Kindern.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 10.000 Babys mit Schädigungen durch FASD geboren. FASD ist die häufigste Behinderung bei Kindern. Im Gegensatz zu anderen angeborenen Behinderungen ist FASD vermeidbar, wenn in der Schwangerschaft ganz auf Alkohol verzichtet wird und das bereits ab der Befruchtung und nicht erst ab dem Zeitpunkt, in dem die Schwangerschaft bekannt wird.
 
Heike Kramer räumte mit der weit verbreiteten Meinung auf, dass es ausreichend ist, keinen Alkohol mehr zu trinken, sobald man von der Schwangerschaft Kenntnis hat. „Alkohol ist ein Zellgift und schadet ab dem ersten Moment und ab dem ersten Tropfen Alkohol“, so die Ärztin. Deutschland habe ein Alkoholproblem, da der Alkoholkonsum hoch anerkannt sei, während Menschen, die auf Alkohol verzichten, als Spaßbremsen gelten. Hinzu komme, dass Alkohol immer verfügbar sei und viele Jugendliche und Erwachsene hierzulande einen riskanten Alkoholkonsum haben. Insgesamt fehle allgemein das Problembewusstsein für die Folgeschäden bei Kindern durch den Alkoholkonsum.
 
Bereits kleine Mengen Alkohol können das Ungeborene schädigen, weil Alkohol in die Zellteilungsprozesse eingreift. Ungeborene können zudem den Alkohol nicht abbauen. Während die Mutter schon lange wieder nüchtern ist, bleibt das Ungeborene alkoholisiert, weil der Alkohol zehnmal so lange im Fruchtwasser und damit im Fötus oder Embryo verbleibt.

Häufig sind die Folgeschäden nicht körperlich sichtbar. Manchmal sind die Auswirkungen des Alkohols bei der Geburt kaum zu erkennen, sondern zeigen sich erst im Verlauf der Kindheit. Sie äußern sich als motorische und intellektuelle Entwicklungs-verzögerungen und Fehlentwicklungen. Betroffene Kinder können hyperaktiv und unkonzentriert sein, an Schlafstörungen leiden oder ein auffälliges Sozialverhalten haben.
 
Obwohl es keine Heilung gibt, ist eine frühe Diagnose hilfreich, um möglichst frühzeitig Unterstützungsangebote wahrnehmen zu können, die ein Leben mit FASD erleichtern können. Um eine Diagnose zu ermöglichen, ist es daher notwendig, dass Frauen über den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft offen reden.
 
Keinesfalls sollen Frauen angeklagt werden. Aber Frauen, die schwanger werden wollen, können eine bewusste Entscheidung gegen den Konsum von Alkohol treffen, um das Risiko von Schädigungen durch Alkohol auf null zu setzen. Der Partner, aber auch Freunde, können dazu beitragen, dass der Verzicht auf Alkohol bei bestehendem Kinderwunsch leichter fällt.
 
Weitere Informationen: www.fasd-deutschland.de oder Landratsamt Rastatt, Kommunale Suchtbeauftragte, Gudrun Pelzer, Telefon 07222 381-2114 oder per E-Mail an g.pelzer@landkreis-rastatt.de.