Drohnen in der Forstwirtschaft

Die Drohnentechnik hat auch im Landratsamt Rastatt Einzug gehalten. Das Forstamt setzt seit Jahresbeginn eine Drohne ein, um auf der rund 38.000 Hektar großen Waldfläche des Landkreises den Überblick „von oben“ zu behalten.

Marian Kratz, Diplom-Forstingenieur und Trainee des gehobenen Forstdienstes, erkundet im Rahmen einer Projektarbeit die Einsatzmöglichkeiten der „Dienstdrohne“.
 
Für den Privatgebrauch sind mittlerweile Drohnen zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt. Sie haben meistens eine gute Bildqualität, sind leicht mit dem Handy zu steuern und eignen sich für Schnappschüsse ideal.
 
Im gehobenen Segment werden heute Drohnenmodelle angeboten, mit denen die Erfüllung behördlicher Aufgaben unterstützt und erleichtert werden kann. Ihre hohe Flugstabilität, die geringe Windanfälligkeit und sehr geringe Rüstzeiten sind neben der nicht erforderlichen Fluggenehmigung und der hohen Flexibilität gute Gründe für den Drohneneinsatz in der Forstwirtschaft.
 
„Für die Schadensabschätzung nach größeren Sturm- oder Schneebruchereignissen benötigte man im Wald vor einigen Jahren noch teure Überflüge mit einem Kleinflugzeug, Hubschrauber oder Segelflugzeug. Heute schafft man das mit einer Drohne, die locker in einen Rucksack passt“, erläutert Marian Kratz. „Drohnen haben einen erstaunlichen Funktionsumfang, machen gestochen scharfe Bilder und haben eine große Reichweite.“
 
Den Mehrwert des Drohneneinsatzes erläutert der Forstmann am Beispiel der Planung und Umsetzung der sogenannten Freiflächenkampagne für das vom Aussterben bedrohte Auerwild. Die Vorauswahl von Waldflächen, die das Forstamt zur Biotopverbesserung für Auerhühner auflichtet, erfolgt mit Hilfe von forstlichem Kartenmaterial. Geeignete Flächen werden anschließend per Drohne beflogen und begutachtet. Mit Hilfe von Drohnenbildern können exakte Arbeitsaufträge für Biotoppflegemaßnahmen im Wald erstellt werden. Außerdem wird der Vegetationszustand der Flächen vor und nach der Pflegemaßnahme per Luftbild dokumentiert.
 
Die vom Forstamt eingesetzte Drohne kann bereits durch eine Flugzeit von einer halben Stunde sehr viele Informationen sammeln, für die eine „normale“ Begehung viele Stunden benötigt hätte. Die aufgenommenen Bilder eignen sich dank der GPS-Verortung, um sie auf Karten zu lokalisieren. So ist mit den vor Ort gewonnenen Eindrücken, den gemachten Bildern und den Daten aus anderen flächenbezogenen Quellen (Forsteinrichtung oder Karten der Flurstücke) eine sehr genaue Lageeinschätzung möglich.
 
Neben der Forstwirtschaft untersucht Förster Kratz auch Anwendungsmöglichkeiten der Drohnentechnik in anderen Aufgabenfeldern der Landkreisverwaltung. Einsätze, bei denen es um optische Kontrollen geht und bei denen keine exakten Messwerte erhoben werden müssen, lassen sich auf diese Weise etwa bewerkstelligen. So etwa im Umweltbereich, im Naturschutz und in der Land- und Forstwirtschaft. Auch bei der Bauaufsicht und beim Katastrophenschutz sieht der Forstmann Potenzial für die Drohne.
 
Die Weiterentwicklung von Technologie, Software und Sensorik wird dazu führen, dass sich der Drohneneinsatz in der Forstwirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung insgesamt in Zukunft noch deutlich erweitern wird, ist sich Kratz sicher.
 
Drohnen mit Spezialausrüstung sind bereits heute in der Lage, das Holzvolumen von Bäumen oder Wäldern zu berechnen. Drohnen, die vom Borkenkäfer befallene Bäume frühzeitig erkennen und digital markieren sollen, sind ebenfalls bereits in der Erprobung.
 
 
Bild: Förster Marian Kratz mit der neuen „Dienstdrohne“ (Foto: LRA)

(Erstellt am 07. September 2019)