Die Stechpalme - Eine exotische Schönheit unter den Laubbäumen

Zum Baum des Jahres wurde in diesem Jahr die Europäische Stechpalme gekürt. Auch wenn ihr Name es anders vermuten lässt, gehört die Stechpalme nicht zu den echten Palmen. Was es mit der Stechpalme genau auf sich hat, erläutert Charlotte Fortnagel, Trainee beim Forstamt des Landkreises Rastatt. Auch stellt sie uns ein besonders eindrucksvolles Exemplar auf Loffenauer Gemarkung vor.

Das Bild zeigt die Blätter einer Stechpalme. (Foto: LRA/Fortnagel)
Bild 2: Blätter der Stechpalme (Foto: LRA/Fortnagel)

Der Namensteil "Palme" rührt von der Verwendung des Baumes in der christlichen Tradition her: Zur Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem werden am Palmsonntag in Ermangelung echter Palmen Zweige von Weiden, Buchsbaum, Stechpalme und anderen, meist immergrünen Pflanzen, als "Palm" geweiht. Botanisch lautet der Gattungsname der Stechpalme Ilex aquifolium. Nicht selten wird auch von „Walddistel“ oder „Christusdorn“ gesprochen.

Auch wenn ihr Aussehen exotisch anmutet, ist die Stechpalme durch und durch Europäerin. Schon vor über zwei Millionen Jahren war sie in unseren Breiten zu finden. Sie ist ein immergrüner Strauch oder Baum, der je nach Standort zwischen einem und 15 Metern hoch werden kann. Jedes Blatt weist im Regelfall fünf bis sieben lange Stachelspitzen auf, welche dieser Baumart ihren charakteristischen Namen verleihen. Nur bei besonders alten Exemplaren oder Zierformen aus dem Gartenbau können diese Spitzen fehlen.

Auffällig sind außerdem die dekorativen, scharlachroten, erbsenförmigen Früchte, die im Herbst und Winter die weiblichen Stechpalmen schmücken. „Aber Vorsicht, so schön die Beeren auch aussehen, so sind sie doch, genau wie die Blätter, bereits in geringen Mengen giftig und können Übelkeitserscheinungen hervorrufen“, warnt Charlotte Fortnagel. Alle Arten sind zweihäusig, das heißt, es gibt Pflanzen, die nur männliche Blüten und solche, die nur weibliche Blüten tragen.

Nicht zuletzt aufgrund ihres ansprechenden Erscheinungsbildes waren die Zweige der Stechpalme schon seit Jahrhunderten gern gesehene Schmuckzweige - besonders zu Weihnachten, aber auch schon zu Allerseelen, in der Adventszeit, oder zum Palmsonntag. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen Ziergestecke derart in Mode, dass ganze Wagenladungen in den Wäldern geerntet und per Eisenbahn in entlegenste Regionen exportiert wurden. Aufgrund der zunehmenden Abholzung wurden Anfang des letzten Jahrhunderts erste regionale Schutzverordnungen erlassen. Seit 1935 steht die wildwachsende Stechpalme deutschlandweit unter besonderem Schutz – heute geregelt durch die Bundesartenschutzverordnung. Wildlebende Exemplare dürfen weder gepflückt, noch beschnitten oder ausgegraben werden. In Deutschland sind Stechpalmenzweige als Weihnachtsschmuck daher weitgehend verschwunden. In Großbritannien und mehr noch in Nordamerika, wo Stechpalmen noch häufig vorkommen, spielen sie aber immer noch eine prägende Rolle in der Adventszeit. In den USA gibt es sogar große Stechpalmen-Plantagen allein zum Zwecke der Schmuckreisig-Gewinnung.

Die Stechpalme ist eine ausgesprochen langlebige Pflanze, die bis zu 300 Jahre alt werden kann. Im hessischen Ort Braunfels steht die wohl stärkste Stechpalme Deutschlands mit einem Stammumfang von fast drei Metern im Vorgarten eines ehemaligen Gärtnerhauses. Im atlantisch geprägten Klima Englands und Irlands, ohne längere Hitze- und Trockenperioden oder starke Frostereignisse, fühlt sich die Stechpalme am wohlsten. Dort wurden Exemplare entdeckt, die wohl um die 500 Jahre alt sind. Auch im Landkreis Rastatt wachsen einige größere Individuen dieser Baumart, so etwa in der Gemeinde Loffenau, entlang der „Gernsbacher Runde“ unterhalb des Reitvereins. Dort befindet sich eine Stechpalme mit gut 40 Zentimetern Stammdurchmesser.

Das sehr harte Holz der Stechpalmen wird gerne für Drechslerarbeiten, als Werkzeugstiel oder als Spazierstock verwendet. Des Weiteren stellt die Europäische Stechpalme dadurch, dass sie ganzjährig Blätter trägt, einen hervorragenden Brutplatz und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Insekten dar. Auch als Ziergehölz ist die Stechpalme, mit ihrer kaum überschaubaren Farb- und Formenfülle, aus Gärten und Parks nicht mehr wegzudenken.

„Meine Paten-Art ist ein Paradebeispiel, wie Artenschutz auch im bewirtschafteten Wald gelingt“, erklärt der Deutsche Baumkönig Nikolaus Fröhlich, der als Repräsentant der Stechpalme von der Dr. Silvius-Wodarz-Stiftung ernannt wurde. Beim Umbau unserer Wälder zu klimaangepassten Mischwäldern gewinnt die Stechpalme zunehmend an Bedeutung. Denn um dieses Ziel erreichen zu können, muss die Vielfalt an Baumarten erweitert und Mischbaumarten - wie die Stechpalme -, gezielter herausgepflegt werden, um den Wäldern die notwendige Flexibilität zur Anpassung zu ermöglichen.

(Erstellt am 10. September 2021)