Auch die Sommerschorle ist in der Schwangerschaft tabu

Biergärten und Straßenfeste laden in der warmen Jahreszeit wieder zum geselligen Beisammensein ein. Alkoholische Getränke heben die Stimmung, machen locker und fördern die Kontaktfreudigkeit. Das scheint auch für Schwangere zu gelten. Und nicht selten macht der Satz, „das eine Gläschen wird schon nicht schaden“, die Runde.

In der Schwangerschaft hingegen gibt es keine unbedenkliche Trinkmenge bei Alkohol. Das gilt auch für das eine Gläschen Sekt oder die Sommerschorle. „Es scheint nicht allgemein bekannt zu sein, dass auch geringe Mengen Alkohol in jedem Stadium der Schwangerschaft dem Embryo schaden können, da der Alkohol über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes gelangt. Anders als die Mutter, kann der Embryo den Alkohol nicht abbauen. Dadurch kann es zu gravierenden körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen beim Kind kommen“, erklärt Gudrun Pelzer, die Kommunale Suchtbeauftragte des Landkreises Rastatt.
 
Manchmal sind die Auswirkungen des Alkohols bei der Geburt kaum zu erkennen, sondern zeigen sich erst im Verlauf der Kindheit. Sie äußern sich als motorische und intellektuelle Entwicklungsverzögerungen und Fehlentwicklungen. Betroffene Kinder können hyperaktiv und unkonzentriert sein, an Schlafstörungen leiden oder ein auffälliges Sozialverhalten haben, um nur einige Auswirkungen zu nennen.
 
Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 10.000 Babys mit Schädigungen durch den Alkoholkonsum der Mutter geboren. Auf der Seite www.fasd-deutschland.de finden Paare weitere Informationen über das Fetale Alkoholsyndrom (FASD). FASD ist nicht heilbar, aber durch den Verzicht auf Alkohol vermeidbar.
 
„Deshalb sollten Frauen die möglichen Auswirkungen des Alkohols während der Schwangerschaft nicht unterschätzen, sondern von Anfang an ganz auf Alkohol verzichten“, so Pelzer. Partner und Freunde können dabei unterstützen. Rezepte mit alkoholfreien Cocktails können z.B. kostenfrei bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellt werden.
 
Für gesunde, nicht schwangere Frauen gilt die Empfehlung mindestens zwei Tage in der Woche keinen Alkohol zu trinken. Ansonsten gilt die Höchstgrenze von 13 Gramm reinem Alkohol. Das entspricht einem Glas Bier (0,3 l). Ein Glas Wein (0,2 l) enthält 16 Gramm Alkohol.
 
Gemeinsam mit dem Stadtkreis Baden-Baden veranstaltet der Landkreis Rastatt mit der Arbeitsgruppe FASD im September eine Veranstaltung für Fachkräfte, die mit betroffenen Eltern und Kindern in Kontakt stehen. „Wir wollen das Thema in der Region stärker angehen. Darin sind sich die Mitglieder der Kommunalen Netzwerke für Suchtprävention und Suchthilfe einig“, betont Gudrun Pelzer. Sie möchte Frauen ermutigen, sich Unterstützung zu holen, wenn sie merken, dass sie trotz Schwangerschaft nicht auf Alkohol verzichten können. Eine kostenfreie Beratung im Landkreis bietet die Fachstelle Sucht Rastatt/Baden-Baden an.
 
Weitere Information: Landratsamt Rastatt, Kommunale Suchtbeauftragte, Gudrun Pelzer, Telefon: 07222 381-2114 oder per E-Mail an g.pelzer@landkreis-rastatt.de.