Landrat wird Oberförster

Punkt 11.11 Uhr am Schmutzigen Donnerstag hat die Landkreisverwaltung die Arbeit niedergelegt und alle Saftläden der Behörde geschlossen. Zuvor hatte Landrat Jürgen Bäuerle per Dienstanordnung den „Schmudo“ zum Feiertag erklärt und die Weiberfastnacht als „schützenswerte Tradition“ gewürdigt.

Prompt wurde er von närrischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in seinem Amtszimmer überfallen, als Naturparkförster verkleidet und samt Hund Waldi vom Hungerberg in den Kreistagssaal gescheucht, wo ihm der Helser Till aus Hügelsheim die Leviten las. Der wusste beispielsweise, dass die von Bürgermeister Werner Happold bei der Amtseinführung gepriesenen päpstlichen Eigenschaften des Landrats bis nach Rom bekannt geworden sind und der Pontifex erwog, den fleißigen Büh-lertäler als Krisenmanager einzustellen. “So ein Mann, stark wie Bühlertäler Granit, bringt Rückgrat und nötiges Know-how mit. Mit Jürgens Hilfe - und daran glaubten alle feste - hätte der Vatikan bald wieder eine weiße Weste“, verkündete Till von der Bütt und berichtete weiter, dass Franziskus von den Plänen allerdings Abstand genommen habe, weil er befürchtete, der badische Erbsenzähler könne zu viel Unruhe in die päpstliche Idylle bringen. Auch der anvisierte Vorsitz im Naturpark beflügelte Tills Fantasie: „Während wir im Landratsamt schaffe und schwitze, wird der Bäuerle mit dem Amtsdackel durch den Naturpark flitze“. Der närrische Landrat war nicht verlegen, stieg ebenfalls in die Bütt zur Widerrede. „Ich bin Landrat und hab Euch gern, da ist mir der Papst ganz fern“, rief er ins närrische Volk und mutmaßte, dass er dem Naturpark vorstehen soll, weil er so viel von der Landwirtschaft versteht und ganz gut mähen kann. Mit dem Hund wolle er allerdings nicht im Wald unterwegs sein: „Da kann ich keine Zeit ein-spare. Und das wäre aus meiner Sicht schlecht für meinen Controllingbericht.“ Bis 15.00 Uhr dauerte das närrische Spektakel im Landratsamt, dann mussten sich die Pappnasen verkrümeln, um am nächsten Tag wieder fit für den Dienstbetrieb zu sein.

Unser Bild zeigt das Narrenvolk mit dem neuen Naturpark-Oberförster und seinem Amtshund.