Kreisarchiv erhält Nachlass Belzer

Das Kreisarchiv Rastatt ist um einen Nachlass von besonderer historischer Bedeutung reicher. Der Freiburger Architekt Klaus Belzer von Albertis übergab die Sammlung der Familie Belzer im Beisein von Landrat Jürgen Bäuerle, Dezernent Hubert Schmidutz sowie dem Weisenbacher Bürgermeister Toni Huber und seinen Stellvertretern Gottfried Lang und Rudolf Fritz an Kreisarchivar Martin Walter.

Klaus Belzer betonte bei der Übergabe im Landratsamt: „Es ist abzusehen, dass die familiäre Bindung an die Belzer-Geschichte in Zukunft weniger wird. Im Archiv des Landkreises wird die Belzer-Sammlung weiterhin erhalten bleiben, das ist mir wichtig. Zudem bleibt sie so für die heimatkundlich Forschenden zugänglich.“

Der Nachlass umfasst insgesamt zehn Regalmeter und bietet einzigartige Einblicke in die abwechslungsreiche Geschichte der Familie Belzer von Albertis, die über Jahrzehnte hinweg im Murgtal und später in Baden-Baden und in Rastatt unternehmerisch aktiv war. Auch Landrat Jürgen Bäuerle freut sich über die Schenkung: „Der Bestand ist ein echter Schatz für die Weisenbacher Geschichte, aber insgesamt gesehen auch für die Kreisgeschichte.“ Zusammengetragen und dokumentiert wurde die Sammlung von Kurt Belzer von Albertis, dem Urenkel von Johann Belzer und Vaters des Stifters Klaus Belzer von Albertis.

Johann Belzer begründete im frühen 19. Jahrhundert die Murgtäler Granit- und Bauindustrie und führte mit bis zu 1.200 Mitarbeitern eines der größten Bauunternehmen in Mittelbaden. Neben vielen Kirchen, Schulen und Rathäusern machte sich die Firma auch beim Bau der zahlreichen Eisenbahnbrücken für die Rheintalbahn vor über 165 Jahren einen großen Namen. Johannn Belzers Firma produzierte daneben Granit- und Hausteine in großer Zahl, die auch heute noch in zahlreichen historischen Bauwerken der Region, wie etwa der Baden-Badener Trinkhalle oder der Kirche in Bietigheim zu finden sind.

Auf Anraten des Architekten Heinrich Hübsch, mit dem er seit Ende der 1830er Jahre zusammenarbeitete, errichtete er 1840 ein Granitwerk in Weisenbach. Daneben tritt Belzer aber auch selbst als Architekt in Erscheinung, so bei der neogotischen Pfarrkirche in Weisenbach oder beim Bau des Marstalls auf Schloss Eberstein. Kaum bekannt ist, dass er auch bei der Realisierung der Bun-desfestung als einziger privater Bauunternehmer maßgeblich beteiligt war. Johann Belzer starb 1868 in Weisenbach. Mit dem Tod ging die Firma an die beiden Söhne Bernhard und Isidor über, die in der Folge allerdings die Firma aufteilten. Bernhard Belzer führte die Firma in Baden-Baden weiter. Isidor Belzer blieb in Rastatt und übergab die Firma in den 1890er Jahren an die Baufirma Degler.