Beratungsbeispiele

Hier einige Beispiele von Beratungen. Wir haben die Beispiele nach dem Alter des Kindes bzw. Jugendlichen geordnet.

*) alle Namen sind aus Datenschutzgründen geändert

Beispiel 1:

Familiäre Situation: die Mutter ist Hausfrau, der Vater ist Schichtarbeiter, Max ist 6 Jahre alt, es gibt einen älterer Bruder.
Anmeldegründe: Max hat Probleme mit Gruppen. Mutter hat Bedenken wegen der Einschulung. Sie will Tipps, wie sie weiter vorgehen soll. Wie kann ihr Sohn lernen, sich in Gruppen wohl zu fühlen?
Kontakte: Ein Gespräch mit Mutter.
Beratungsdauer: Die Beratung wurde mit dem ersten Gespräch abgeschlossen.
Hintergrund: Die Mutter machte in der Vergangenheit mehrere Versuche, ihren Sohn in eine Gruppe zu integrieren. Alle Versuche brachten nicht den gewünschten Erfolg.
Intervention: Da die Mutter ohne ihr Kind kam, wurde ihr verdeutlicht, dass ohne Kennenlernen des Kindes nur allgemeine Tipps gegeben werden können. Ängstlichkeit wurde als Hintergrund gefunden, warum Max Gruppensituationen ausweicht. Es wurde empfohlen, die Integration in Kleingruppen (drei bis vier Kinder) anzustreben, bevor Max sich größeren Gruppen stellt. Weiter wurde geraten, dem Kind Zeit zu geben, zuerst einmal eine Gruppe zu beobachten, bis es ausreichend Sicherheit fühlt und Kontakt aufnehmen mag. Dabei sollte mit dem Kind über seine Gedanken und Gefühle zu der Gruppe gesprochen werden, einerseits um die Zurückhaltung besser zu verstehen, andererseits, um dem Kind Anregungen geben zu können, dass es den Mut zur Kontaktaufnahme findet. Die mütterliche Unsicherheit, was ihrem Sohn hilft, wurde als positive Kraft beleuchtet, die dazu führt, dass die Mutter einen wachen, aufmerksamen Kontakt zu ihrem Kind hält.
Ergebnis: Mutter war zufrieden mit den erhaltenen Tipps und Anregungen.
Schlussvereinbarung: Mutter wird sich bei weiterem Bedarf wieder melden.

Beispiel 2:

Familiäre Situation: Nadine ist 8 Jahre alt, sie hat einen jüngeren Bruder, der Vater ist Handwerker und die Mutter ist in Teilzeit berufstätig.
Anmeldegründe: Konzentrationsprobleme
Kontakte: 10 Beratungsgespräche mit der Mutter. Zwischenzeitlich 10-wöchige Teilnahme von Nadine an einer „Gruppe für Kinder aus Scheidungsfamilien".
Beratungsdauer: 14 Monate
Hintergründe: Im Verlauf der Beratung wurde deutlich, dass es massive Eheprobleme gab, die für alle Familienmitglieder eine große Belastung darstellten. Auch die Konzentrationsprobleme der Tochter standen damit in Zusammenhang. Körperliche und psychische Störungen des Vaters machten die Situation immer schwieriger. Eine frühere Eheberatung hatte nur vorübergehende Besserung gebracht. Schließlich entschied die Mutter sich für die Trennung. Die darauf sich überstürzenden Veränderungen (Umzug, Schulwechsel, neue Partnerschaft) wurden durch Beratungsgespräche begleitet.
Intervention: Für die Mutter wurden Entlastungsgespräche angeboten, in denen auch die Neuorientierung nach der Trennung besprochen wurde, Nadine erhielt Unterstützung in einer Gruppe, um mit der Trennung der Eltern besser zurecht zu kommen.
Ergebnis: Mit der Zeit ist eine allmähliche Beruhigung eingetreten. Nadine hat im neuen Wohnumfeld Fuß gefasst. In der Kindergruppe wurde ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Dort konnte sie auch gegenüber ihren Eltern angestaute Gefühle verarbeiten. Nadine erfuhr, dass viele Kinder ihr Schicksal teilen. Ihre Konzentrationsprobleme wurden weniger, je stabiler ihr die neue Situation erschien und die innere Beunruhigung nachließ.
Schlussvereinbarung: Scheidung und Trennung ist ein längerer Veränderungsprozess. Die Mutter will sich deshalb bei aktuellen Problemen wieder melden.

Beispiel 3:

Familiäre Situation: Die Mutter ist in Teilzeit berufstätig, der Vater arbeitet als Angestellter, Maria ist 10 Jahre alt und geht in die 5. Klasse Gymnasium, sie hat einen älteren Bruder und eine ältere Schwester.
Anmeldegründe: Da die Noten im ersten Halbjahr im Gymnasium nicht gut waren, fragte sich die Mutter, ob Maria überfordert ist und vielleicht wieder vom Gymnasium gehen sollte, oder ob sie irgendwie psychisch blockiert ist.
Kontakte: Es fand ein Gespräch mit der ganzen Familie und ein abschließendes Elterngespräch statt. Dazwischen gab es zwei Untersuchungstermine mit Maria (Intelligenztest, Konzentrationstest, Rechtschreibtest und Spielbeobachtung).
Beratungsdauer: 7 Wochen
Intervention: Maria kann das Gymnasium aufgrund ihrer hohen sprachlichen Intelligenz schaffen. Sie braucht allerdings Unterstützung in Mathematik und bei der Rechtschreibung. Maria setzt sich auf Grund der Konkurrenzsituation mit ihren leistungsstarken älteren Geschwistern stark unter Druck, gleichzeitig lehnt sie es ab, dauernd mit den Geschwistern verglichen zu werden. Zum Teil ist ihr Verhalten als Streben nach eigener Autonomie zu betrachten.
Ergebnis: Die Eltern fühlten sich in ihrer eigenen Einschätzung und in ihren Beobachtungen bestätigt und wollen Maria in Mathematik und der Rechtschreibung verstärkt fördern.
Schlussvereinbarung: Kein weiterer Beratungsbedarf.

Beispiel 4:

Familiäre Situation: Patrick ist 13 Jahre alt, er besucht das Gymnasium. Die Mutter ist an zwei Vormittagen in der Woche berufstätig, der Vater ist als Ingenieur in einer Firma angestellt. Die Schwester ist 11 Jahre alt.
Anmeldegründe: Patrick geht nicht aus sich heraus, macht den Mund nicht auf. Er hat zu wenig Selbstvertrauen und ist im Kontakt eher zurückhaltend.
Kontakte: Ein Erstgespräch mit der Mutter, zwei Gespräche mit Mutter und Sohn, zwei psychologische Untersuchungen, ein Kontakt mit Vater, Mutter und Sohn, elf Sitzungen mit dem Jugendlichen (Mischung von Spiel und Gespräch).
Beratungsdauer: 5 Monate
Hintergründe: Rechtschreibprobleme und Prüfungsängste haben Patrick beeinträchtigt. Er fühlte sich allein gelassen mit seinen Problemen.
Intervention: Patrick lernte im Gesprächskontakt mehr Zutrauen in seine Fähigkeiten zu entwickeln und zu akzeptieren, dass er eine Rechtschreibproblematik hat, für die er etwas tun kann. Er fühlte sich verstanden, fasste mehr Zutrauen zu sich und wurde offener.
Ergebnis: Patrick hat eine Entwicklung gemacht, die dazu führte, dass er zu Hause auskunfts- und gesprächsfreudiger wurde. Auch in der Schule fand eine Öffnung statt, die zu mehr Sozialkontakten führte.
Schlussvereinbarung: Beratung einvernehmlich abgeschlossen. Bei Bedarf Wiederanmeldung möglich.

Beispiel 5:

Ausgangssituation: Der Sohn ist 14 Jahre alt und in der 8. Klasse Realschule, die Eltern sind geschieden, die Mutter ist in Vollzeit berufstätig und lebt in neuer Partnerschaft.
Anmeldegründe: Kevin hat Probleme in der Schule, er kam nach dem letzten Zeugnis ganz durcheinander nach Hause.
Kontakte: zwei Gesprächstermine
Beratungsdauer: 6 Wochen
Hintergründe: Mutter war immer ehrgeizig, deswegen kann sie den geringen Lerneinsatz ihres Sohnes nicht verstehen. Alle Gespräche, sich mehr anzustrengen, würden nicht fruchten. Mittlerweile dominierten die Zukunftsbefürchtungen über ihren Sohn ihre Kommunikation.
Intervention: Der Mutter wurde aufgezeigt, dass ihre Vorwürfe vor allem bewirken, dass sich ihr Sohn abgelehnt fühlt, er dadurch aber keine Hilfe erhält, wie er seine Lernunlust in den Griff bekommen kann („du musst" ... aber wie macht man das?). Ein Hausaufgabenplan wurde mit Sohn und Mutter ausgehandelt, der die Ansprüche für beide Seiten abdeckte. Auch Belohnungen sowie Konsequenzen bei Nichteinhaltung wurde geklärt. Zur Entlastung der Mutter-Kind-Beziehung wurde der Mutter 1 x pro Woche erziehungsfreie Zeit mit ihrem Sohn empfohlen. Sie sollte sich Zeit nehmen, in der beide Spass miteinander haben und in der die Liebe, die zwischen beiden vorhanden ist, auch für beide spürbar wird.
Ergebnis: Der Sohn setzte den Hausaufgabenplan erfolgreich um. Mutter und Sohn meinten, sie würden jetzt wieder mehr miteinander reden.
Schlussvereinbarung: Falls es wieder mal schwierig wird, will sich die Mutter erneut an die Psychologische Beratungsstelle wenden.

Beispiel 6:

Ausgangssituation: Lukas ist 18 Jahre alt und Azubi, er lebt bei den Eltern und hat einen jüngeren Bruder.
Anmeldegründe: Lukas meldete sich, weil er sich häufig niedergeschlagen fühlt, zu nichts Lust hat und sich von den Eltern abgelehnt fühlt.
Kontakte: Fünf Gesprächstermine mit Lukas, teilweise zusammen mit seiner Freundin.
Beratungsdauer: 12 Wochen
Hintergründe: Lukas wurde von den Eltern immer sehr unterstützt und motiviert. Nach der Volljährigkeit ihres Sohnes dachten diese, sie sollten Lukas jetzt mehr wie einem Erwachsenen begegnen, deshalb zogen sich die Eltern etwas zurück. An seinem Ausbildungsplatz hatte er seit Monaten überwiegend monotone Aufgaben auszuführen, deshalb zweifelte Lukas an seiner Berufswahl.
Intervention: Durch die Gespräche gelang es Lukas sich in seinem Selbstwertgefühl unabhängiger von der Anerkennung seiner Eltern zu machen. Er erkannte die persönliche Krise als Chance um selbstständiger zu werden. Die Motivation für den Ausbildungsberuf, die aktuelle Arbeitssituation sowie die Zukunftserwartungen in diesem Beruf wurden mit Lukas besprochen.
Ergebnis: Lukas unternahm wieder mehr und suchte jetzt das Gespräch mit seinen Eltern, wenn er Bedarf erkannte. Gegenüber seiner Ausbildung fand er wieder eine tragfähige Motivationsbasis.
Schlussvereinbarung: Falls Lukas wieder mal Gesprächsbedarf hat, kann er sich wieder melden.

Psychologische Beratungsstelle Rastatt
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