Historischer Rückblick

Zur Geschichte des Landkreises Rastatt
Wer in die Historie des Landkreises Rastatt eintauchen will, muss auf der Zeitskala weit, weit zurückgehen. Bereits in der ausgehenden Altsteinzeit (bis etwa 8000 v. Chr.) wurden in der Vorbergzone Zeugnisse menschlicher Präsenz gefunden. In der sogenannten jüngeren Steinzeit (etwa 8000 bis 5500 v. Chr.) nimmt die Besiedelung vor allem in der fisch- und wildreichen Kinzig-Murgrinne zu. Erst im frühen Mittelalter werden das im Grunde siedlungsfeindliche Rheinauengebiet und im hohen Mittelalter die Schwarzwaldtäler besiedelt. Natürlich finden sich auch römische Reste. Rund 80 Münzen aus römischer Zeit wurden hier gefunden, aber auch römische Kunstwerke, Reliefs, Statuen und Statuetten haben sich erhalten.
 
Die Römer verlassen den Oberrhein
Nachdem die Römer abgezogen waren, schien die Region zunächst einmal verödet zu sein. Erst mit Spuren aus der Merowingerzeit (etwa 450 bis 750 n. Chr.) kommt wieder "Leben" in das Gebiet des Landkreises Rastatt. So fanden sich Gräber in Sinzheim, Bietigheim, Hügelsheim oder in Rastatt-Plittersdorf.
Ab etwa dem Jahr 1100 bilden sich lokale Herrschaften heraus. Im nördlichen Kreisgebiet und vor allem im Murgtal entsteht die Grafschaft Eberstein, deren Territorium allerdings schon im 13. Jahrhundert an die mehr und mehr dominierenden Markgrafen von Baden abgegeben wird. Die Stadt Gernsbach im Murgtal machten die Ebersteiner zu ihrem Hauptort und fassten so den Rahmen für eine Urbanisierung des Ortes. Nach dem Aussterben des Geschlechtes im 17. Jahrhundert erinnern heute nur noch übrig gebliebene Ortsnamen wie Haueneberstein oder Ebersteinburg an die lange Jahre währende Präsenz der Grafen.

Die staufische Herrschaft bricht zusammen
Nach dem Zusammenbruch der staufischen Herrschaft im 13. Jahrhundert nimmt die Geschichte der Badischen Markgrafen ihren Anfang. Zunächst entstand ein kleines Territorium um Baden-Baden und Pforzheim. Der ursprüngliche Besitz im Neckarraum ging zwar nach und nach verloren, aber gerade auch am Oberrhein konnten die badischen Markgrafen ihre Herrschaft festigen.
Die Übernahme von Teilen der Herrschaft Eberstein (1283, 1387), von Stollhofen (1309) und der Erhalt der Vogtei über die Klöster Frauenalb (1387) und Schwarzach (1422) sind Meilensteine des Aufstiegs der Markgrafen in unserer Region. 1503 wurde unter Markgraf Christoph I. die untere Markgrafschaft (Baden-Baden, Pforzheim) mit der oberen Markgrafschaft (Sausenberg, Rötteln, Badenweiler) vereinigt. 

Rastatt wird Residenz und Mittelpunkt der Region
Diese Erfolgsstory währt nicht lange, denn bereits wenige Jahrzehnte kommt es wiederum zur Teilung in eine evangelische Linie in Durlach und einer katholischen in Baden-Baden/Rastatt. 1700 wird Rastatt durch Markgraf Ludwig Wilhelm zur Residenzstadt und Sitz eines nach Versailler Vorbild erbauten Residenzschlosses. Architekt ist der Faneser Domenico Egidio Rossi, dem auch die neue Stadtplanung Rastatts zu verdanken ist. Nach dem Aussterben der baden-badischen Dynastie werden beide Landesteile 1771 vereinigt. Die Landesverwaltung wird nach Karlsruhe verlagert.
 
Industrialisierung und Urbanisierung
Das 19. Jahrhundert wird durch den wachsenden Verkehr, durch die beginnende Industrialisierung geprägt. Städte wie Bühl (Stadterhebung 1835) und Gaggenau (Stadterhebung 1922) gewinnen an Bedeutung. Vor allem durch das unerschöpfliche Vorkommen des Rohstoffes Holz und durch die zur Verfügung stehende Wasserkraft siedelt sich auch die papierverarbeitende Industrie im Murgtal an. Daneben entstehen zukunftsweisende Unternehmen wie Bergmann oder die Gaggenauer Eisenwerke, in dessen Fußstapfen später Mercedes-Benz bzw. DaimlerChrysler treten wird.
Mit automobilen Produktionsstandorten in Rastatt und Gaggenau, mit weltbekannten Zulieferern der Industrie in Bühl und Bühlertal und mit bedeutenden High-Tech-Unternehmen darf der Landkreis Rastatt heute für sich in Anspruch nehmen, eine Region mit hoher wirtschaftlicher Schlagkraft zu sein, die aber auch auf eine weit in die Vergangenheit reichende Tradition zurückblicken kann.